Die Regierungsschule in Namanula (Rabaul)

Die Regierungsschule für Eingeborene in Namanula geht auf eine Konzeption Gouverneur Hahls vom Oktober 1904 zurück. Damals plante Hahl allerdings die Errichtung einer Eingeborenenschule erst im Anschluß an eine Europäerschule. Im Februar 1905 wurde die Idee der Gründung einer Eingeborenenschule im Gouvernementsrat vorgestellt. Sie traf dort auf ein positives Echo. Ende 1905 gründete sich in Herbertshöhe ein Schulverein, der die Gründung einer Eingeborenenschule in Rabaul weiter vorantrieb. Am 16. September 1907 konnte die Schule unweit der Gouverneursresidenz offiziell eröffnet werden. Das Schulgebäude bestand aus einem neu erbauten zweistöckigen Haus. Im Obergeschoß befanden sich die Schlafräume für die von auswärts kommenden Internatsschüler; im Erdgeschoß wurde der eigentliche Unterricht abgehalten. Aufgenommen wurden 27 Kinder, die alle in Dörfern der näheren Umgebung zu Hause waren. Zwar gab es bereits zu Anfang Bewerbungen von auswärts, vor allem von Bougainville, die jedoch aus Rücksicht auf die mangelnden Kapazitäten zurückgewiesen werden mußten. Immerhin konnten bereits im Oktober 13 weitere Schüler aufgenommen werden. Von ihrer Entstehung an war die Regierungsschule eine Schule ausschließlich für Jungen. Unterrichtet wurde ausschließlich in der Sprache der Tolai, Kuanua, - eine Lieblingsidee des Gouverneurs, der - darauf deutet alles hin - langfristig darauf abzielte, die Sprache der Tolai zur Nationalsprache der

Die Regierungsschule für Eingeborene in Namanula
Schuljahr Anzahl der Schüler Am Schulanfang Am Schulende regionale Herkunft der Schüler
1907/08 27 27 40 Blanchebucht
1908/09 60   30 G, 22 S, 5 NH, 1 NM, 2 MC
1909/10 60
1910/11 60   30 G, 22 S, 5 NH, 1 NM, 2 MC
1911/12  60 71
1912/13  71 92 41 NP, 23 KWL, 10 S, 8 NM, 5 AI, 3 NH, 2 MC
1913/14  92 120 59 KWL, 26 NM, 15 AI, 10 NP, 6 S, 2 NL, 1 NH, 1 NN
AI: Admiralitätsinseln; G: Gazellehalbinsel; KWL: Kaiser-Wilhelmsland; MC: Malay-Chinesen; NH: Neuhannover; NL: Neulauenburg; NM: Neumecklenburg; NN Niederländisch-Neuguinea, NP: Neupommern, S: deutsche Salomonen.Quellen: Siehe Angaben im Abschnitt Quellen und Literatur
Kolonie zu machen. Die Schule war dreistufig. Erst im dritten, im letzten Schuljahr sollte Deutsch als Lehrfach, jedoch keineswegs als Unterrichtssprache, hinzutreten. Auch zu Beginn des zweiten Schuljahres am 7. September 1908 mußten Zurückweisungen vorgenommen werden. Immerhin konnten jetzt Schüler aus dem ganzen Bismarckarchipel aufgenommen werden. Vor allem unter der Jugend der deutschen Salomonen fand die Schule großen Anklang (17 Schüler aus Bougainville, fünf aus Buka). Es zeigte sich aber sehr schnell, daß die Befürchtungen der erfahreneren deutschen Siedler, die Sprache der Blanchebucht sei zu schwierig, um sich als allgemeine Verkehrssprache durchzusetzen, so unbegründet nicht waren. Die Schüler aus Neuhannover und den nördlichen Salomonen hatten erhebliche Schwierigkeiten beim Erlernen der Unterrichtssprache, so daß es nicht mehr recht voranging. Für sie mußte ab dem 1. Januar 1909 deshalb zusätzlich zum regulären Unterricht, der vormittags von sieben bis elf Uhr stattfand, ein Nachhilfeunterricht an vier Nachmittagen der Woche angeboten werden. Von 14 bis 15 Uhr wurde für die „fremdsprachlichen" Schüler, also jene, für die das Kuanua keine Muttersprache war, ein einstündiger Förderunterricht in der Unterrichtssprache angeboten. Von 15 bis 16 Uhr wurde der Stoff des Vormittagsunterrichtes wiederholt. Dabei wirkten zwei ältere Schüler von der Gazellehalbinsel als Unterrichtshelfer. 1910 wurde der Nachmittagsunterricht für alle obligatorisch. Im Anschluß an diesen Unterricht mußten alle Schüler Gartenarbeiten verrichten.
Weil außerordentlich viel Zeit auf die Erlernung der Unterrichtssprache aufgewendet werden mußte, blieb neben Rechnen kaum noch Zeit für die Vermittlung anderer Fächer. Zunächst konnten deshalb nur die älteren Schüler von der Blanchebucht in Heimat-, Pflanzen- und Tierkunde (im Gebrauch waren die üblichen Wandtafeln wie „Unsere Haustiere" vom Verlag Lutz) unterwiesen werden. Deutsch wurde, wie erwähnt, zunächst überhaupt nicht gelehrt. Das „deutsche" Element beschränkte sich auf das Erlernen einiger weniger deutscher Volkslieder - wenn man nicht die praktische Wertevermittlung - Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Gehorsam - als „typisch deutsch" ansehen möchte.
Die von Anfang an vorgesehene Ausbildung in praktischen Berufen setzte zu Beginn des Jahres 1909 ein. Zwölf der fortgeschrittensten Schüler betätigten sich als Drucker und Setzer. Ihre Mitarbeit ermöglichte die Herausgabe des Amtsblattes für Deutsch-Neuguinea, das am 15. Ja-nuar 1909 zum ersten Mal erschien und das in der Folge von den Schülern der Regierungsschule gesetzt und gedruckt wurde. Im Schuljahr 1911/12 konnte der Schule eine eigene Handwerkerabteilung angegliedert werden. Der Unterricht umfaßte neben Drucken und Setzen auch Buchbinderlehre, Tischlerei- und Schlossereiwesen.
Im Oktober 1911 wurden zum ersten Mal 16 Jungen aus Kaiser-Wilhelmsland in die Schule aufgenommen. Dahinter stand das Bestreben des Gouverneurs, Namanula endgültig als Regierungsschule für das ganze Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea auszubauen, in der neben einem gehobenen theoretischen Unterricht ein besonderer Schwerpunkt in der praktischen Berufsausbildung gesetzt wurde, um dadurch eine einheimische Elite heranzuziehen und für die deutsche Verwaltung zu gewinnen. Mit der Aufnahme der Neuguineajungen wurde allerdings sein Versuch, im Schutzgebiet über die Regierungsschule das Kuanua mehrheitsfähig zu machen, endgültig hinfällig. Schüler aus Neuguinea begannen sofort mit Deutsch als Unterrichtssprache. Und ähnlich wie in Saipan zeigte sich auch in Namanula sehr schnell, daß dem Erlernen der deutschen Sprache unter der indigenen Jugend durchaus nicht die befürchteten Hindernisse entgegenstanden. Jedenfalls ließ sich Deutsch - gelehrt wurde zunächst nur die lateinische Schreibschrift (Kolonialstaatssekretär Lindequist hatte die Entscheidung, in Regierungsschulen eventuell nur die lateinische Schrift zu unterrichten, am 12.08.1911 den Gouverneuren überlassen) - den melanesischen Jungen schneller und besser vermitteln als die Sprache der Tolai. Auch in der ersten und zweiten Abteilung sollte jetzt Deutsch zur Unterrichtssprache werden. Ab dem Schuljahr 1912/13 wurde auf die Erlernung der deutschen Sprache besonderer Nachdruck gelegt. Hahl hatte eingesehen, daß sein langjähriger Kampf für eine einheimische nationale Verkehrssprache einer einzigen bevorzugten Ethnie (der Tolai) im vielsprachigen und polykulturellen Neuguinea einfach nicht durchzusetzen war. Auch und gerade die einheimische Bevölkerung wollte keinesfalls die Muttersprache lediglich einer, in ihren Augen dadurch privilegierten Volksgruppe übernehmen. Eher noch war man bereit, die Sprache der Kolonialverwaltung anzunehmen. Folgerichtig schlug der Gouverneur dem Reichskolonialamt in der, von ihm kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland aufgestellten Schulordnung für das ganze Schutzgebiet vor, daß in Eingeborenenschulen „neben der am Schulorte herrschenden Eingeborenensprache" nur Deutsch gelehrt werden dürfe. Dies war der Standpunkt, den Solf in Samoa bereits seit Jahren praktizierte. Der elementare Unterschied zu der Schulpraxis in den Kolonien anderer europäischer Mächte sollte deutlich herausgestellt werden: In den deutschen Südseekolonien waren die einheimischen Sprachen und das Deutsche gleichberechtigt. In den nichtdeutschen Kolonien wurde die indigene Muttersprache allenfalls recht und schlecht hingenommen, keineswegs aber toleriert. Üblicherweise war ihr Gebrauch in der Schule verboten; im öffentlich-kolonialen Raum wurde alles unternommen, um die einheimischen Sprachen zugunsten der Kolonialsprache zu verdrängen. Und gar nicht selten nahm diese Sprachenpolitik Züge einer kreuzzugsähnlichen Ausrottungskampagne an.
Wie in Saipan (und auf Samoa) wurde auch in Rabaul besonderer Wert auf den Heimatkundeunterricht gelegt. In den höheren Jahrgangsstufen standen die geographische Einbindung Neuguineas im pazifischen Raum und die „Wechselbeziehungen zwischen Kolonie und Mutterland" im Mittelpunkt des Interesses. Die Geschichte, so sie keinen Bezug zur deutschen Vergangenheit Neuguineas aufwies, wurde in der Regierungsschule nicht gelehrt. Damit wurden nicht nur die Germanenkämpfe und das deutsche Mittelalter, denen in den Schulen daheim eine überdimensionale Rolle zukam, ausgeblendet, sondern die deutsche Geschichte vor 1884 fand in Neuguinea überhaupt nicht statt, weil sie für die einheimische Bevölkerung irrelevant war. Statt dessen standen Eingeborenensagen auf dem Lehrprogramm. Bezeichnend ist auch, daß die Regierungsschüler zum „Deutschland, Deutschland, über alles" einen leicht abgewandelten Text lernten. In Namanula sang man in der zweiten Strophe die „Deutsche Sitten, deutscher Mut" statt „Deutsche Frauen, deutsche Treue" - mit dem man in der Südsee absolut nichts anzufangen wußte.

Deutsch.
A. Anschauungsunterricht.

Im Mittelpunkt des Deutschunterrichtes im 1. und 2. Jahrgang steht der Anschauungsunterricht.
  I. Jahrgang.
(Stoff in Anschauungskreisen)
1. Die Schule (Die Tafel, Bank, Tisch)
2. Das Wohnhaus. Eingeb. Hütte, Wohnh. der Weissen, Hausgegenstände. (Bett, Schrank, Lampe). Hausbau.
3. Essen und Trinken (Küche). Körperteile und Kleidung.
4. Haustiere. (Hund, Schwein, Hühner.).
5. Werkzeuge und Geräte.
6. Der Garten. Pflanzung. Gartenarbeiten. Gartengeräte. (Papaia, Pflanzung der Weissen. Schmetterling. Kokospalme).
7. Der Wald. Waldbäume. (Rotang. Schlingpflanzen. Fliegd. Hund. Papagai. Kaukau.)
8. Am Strand. Fischfang. Kanu. Boot. (Dampfer. Landungsbrücke. Kriegsschiff).
9. Der Himmel (Wetter. Regenzeit).
10. Die Zeit. Sonne. (Uhr. Mond. Monat.)
11. Geld. Ein-u. Verkauf. Verkaufsladen. Markt. Markthalle.
12. Krankheiten. Krankenpflege.
13. Spiel. Musik.Tanz.
  II. Jahrgang.
Erster und zweiter Jahrgang werden gemeinschaftlich in einer Klasse unterrichtet. Am Stoff des I. Jahrgangs nimmt der II. Jahrgang zur Wiederholung teil. ...

Erläuterungsvermerk: Ziel des Anschauungsunterrichts.
 Einführung der Schüler in die Elemente der deutschen Sprache nach naturgemäss anschaulicher Methode.
 Der Schüler muss am Schluss des Anschauungsunterrichts imstande sein, in einfacher Form über die Dinge und das Gesehene seiner Umgebung Aufschluss zu geben. Wohl ist dabei stets und ständig auf die Einhaltung der richtigen Form zu achten, das Hauptgewicht ist jedoch auf die Erfassung der sachlichen Begriffe zu legen. Auf dieser Stufe geht Inhalt vor der Form. Der Schüler muss nach Verlauf von 2 Jahren soweit gefördert sein, dass er einfache Fragen verstehen und beantworten kann sowie über die verschiedensten Lebenskreise Bescheid zu geben vermag. ... Um methodischen Forderungen dabei gerecht zu bleiben sei darauf hingewiesen, dass der Stoff ausschliesslich aus der Heimat und zwar hauptsächlich der Natur derselben genommen werde.
 In der Regierungsschule werden bei wöchentlich 20 Stunden Unterricht 5 Stunden Anschauungsunterricht erteilt.
B. Lesen.
1. Jahrgang. Schreiblesen.
(Unterrichtsmittel z.Zt. Grimmersche Fibel in Lateinschrift.) ...

2. Jahrgang.
Lesen.

Kleine Lesestücke. Erlernung der deutschen Druckschrift.
Eingehende Erklärung und Besprechung der Lesestoffe.
  3. - 6. Jahrgang.
Erzielung eines fliessenden, verständigen und schönen Lesens. (Als Unterrichtsmittel z.Zt. Deutsches Lesebuch von Nohl und Ullmann. Die Ausarbeitung eines neuen Lesebuches für Südseeverhältnisse ist in Vorbereitung.)
  Heimatkunde.
Der Unterricht in der Heimatkunde tritt im 3. Jahrgang auf. ... Zur Behandlung kommen:
1. Schulzimmer: Grundriss, Massstab, ... Himmelsgegenden und Orientierung nach denselben.
2. Schulhaus und Umgebung.
3. Wohnort. Plan des Wohnortes (Namanula), (Rabaul). ...
4. Allgemeine Begriffe: Berg, Tal, Schlucht, Wasserscheid, u.s.w.
5. Weitere Umgebung des Wohnortes. (Kraterhalbinsel, Vulkanische Erscheinungen), Boden, Witterung, Bodenerzeugnisse, Bevölkerung, Wohnstätten.
6. Blanchebucht in gleicher Behandlung.
7. Nordküste.
8. Toma und Varzinberg.
  Geographie.
  4. Jahrgang.
In der Fortsetzung des Heimatunterrichtes beginnt mit dem 4. Jahrgang der Unterricht in Geographie. Stoff:
Deutsche Schutzgebiete in der Südsee - Schutzgebiete anderer Nationen in der Südsee.
1. Neupommern
Gazellehalbinsel, bes. Baining (St. Paul) Podo, Torinu, Varagoi, das übrige Neupommern, Nakanai.
2. Neulauenburg.
3. Neumecklenburg und vorgelagerte Inseln.
4. Neuhannover.
5. Salomo-Inseln (auch engl. Teil) und Nachbarinselgruppen.
6. Vitu-Inseln
7. Admiralitäts-Inseln, St. Mathias.
8. Kaiser-Wilhelmsland. (engl. und holl. Teil).
9. Inselgebiet.
10. Samoa.
  5. Jahrgang.
Stoff: Deutschland und seine Kolonien.
Ziel: Klarlegung der Wechselbeziehungen zwischen Kolonie und Mutterland.
 Anknüpfend an die Deutschen in der Kolonie (Siedler, Kaufleute, Verwaltung, Missionen) wird behandelt:
1. Allgemeines über Lage, Grösse, Grenzen, Bevölkerung Deutschlands. Grössere Städte und deren Beschreibung. Verwaltung und Konfessionen in Deutschland.
2.a. Ausfuhrprodukte des Schutzgebietes, deren Verarbeitung und Verwertung in Deutschland:
Kopra: Fettgewinnung (Viehzucht und Ackerbau, hauptsächlichste landwirtschaftliche Gebiete).
Kakao-Chokolade. Kautschuk Verwertung. ...
 Anschliessend an unsere Schiffe:
3. Deutschlands Handel. ...
4. Kriegsmarine. ...
5. Schönheit deutscher Landschaften. ...
6. Im Wechsel der Jahreszeiten. ...
7. die afrikanischen deutschen Kolonien.
  6. Jahrgang.
Stoff: die Nachbargebiete unseres Schutzgebietes in ihrem geographischen, besonders aber wirtschaftlichen Zusammenhang mit ihm.
Australien: Sydney, Brisbane, Blaue Berge, Queensland-Farmer, Philippinen.
China: Hongkong. Kanton, Shanghai, (Kiautschou,) Sibirische Bahn.
Japan. Holländisch-Indien.
Etwas über die wichtigsten Kolonialvölker und deren Heimat, doch nur soweit es im Zusammenhang der obig angeführten zur Behandlung kommenden geographischen Stoffe erforderlich oder wünschenswert erscheint.
 Im Anschluss an den Nachweis der Möglichkeit, Deutschland sowohl bei östlicher als auch bei westlicher Fahrt zu erreichen ist etwas von der Kugelgestalt der Erde zu sagen. Vom Mond.
 Von der Sonne als der Lebensspenderin, dem Quell von Licht, Wärme und Leben. ...
Geschichte.
Ein gesonderter Geschichtsunterricht wird nicht erteilt. Die geschichtlichen beziehungsweise vaterländischen Stoffe werden dem Geographieunterricht angeschlossen.
Stoff: In Zusammenhang mit der Heimatkunde werden einige Eingeborenensagen behandelt. Desgleichen bei der Landeskunde des Schutzgebietes die Geschichte desselben.
Im Zusammenhang mit dem geographischen Unterricht Deutschlands sind folgende Gesichtspunkte besonders zu berücksichtigen:
Die kolonialen Bestrebungen Deutschlands.
Deutschlands Handel,
 ´´ Flotte,
 ´´ Heer,
Deutschlands Kaiser und grossen Staatsmänner. (seit 1884).
Gesundheitslehre.
   Stoff für 4. bis 6. Jahrgang.
    4. Jahrgang.
1. Haut, Hauttätigkeit, Reinlichkeit.
2. Atmung, Atmungsorgane, Luft, Erkältung, andere Krankheiten der Atmungswerkzeuge.
3. Essen und Trinken, Reinlichkeit dabei, Wurmkrankheiten, Kauen, Verdauen, Zähne, Verdauungsorgane, Unmässigkeit.
4. Arbeit, Muskel, Bewegung, ruhe.
5. Verwundungen, Reinigen und Reinhalten der Wunde, Verband.
6. Erste Hilfe bei Unglücksfällen. Starke Blutungen, Knochenbrüche, Hitzschlag.
7. Kleidung.
8. Wohnung.
   5. Jahrgang
1. Malaria, Wesen und Bekämpfung. Hausbau.
2.Hautkrankheiten. Im besonderen Kaskas, Ringwurm.
3. Augenkrankheiten
4. Dysenterie.
   6. Jahrgang.
Für das 6. Jahr ist Wiederholung des Stoffes und wo angängig Erweiterung und Vertiefung vorgesehen.
Naturgeschichte.
 Mit dem naturgeschichtlichen Unterricht wird im 5. Jahrgang begonnen. Der Stoff wird in Lebensgemeinschaften geboten und auf ein Jahr verteilt. ...
1. Pflanzungen.
 a. der Eingeborenen
Taro, Jams, Süsskartoffeln, Mais, Zuckerrohr, Gemüse, Bananen, Betelnuss, Kokosnuss, Papaia.
 b. der Europäer.
Kokosnuss: Schädlinge, Kokosnusskäfer, Schildlaus, Heuschrecke ...
 Andere Kulturen.
Kautschuk. Kakao. Baumwolle, Kapok. Tee, Kaffee, Tabak.
2. Das Haus.
Haustiere: Schwein, Hund, Katze, Hühner, Enten, Pferd und Rind. Moskiten, Spinnen, Ameisen, (weisse). Ratten und Mäuse.
3. Der Busch.
Brotfruchtbaum. Galip, Pau, Strandmandel. Pandanus. Bambus. Rotang. Kanuhölzer. Alanggras. Ma
laienapfel.
 Fliegender Hund, Eichhörnchen, Papageien, Wildtauben, Kasuar, Nashornvogel, Schlangen, Eidechsen, Schmetterlinge. Andere Vögel.
4. Am Strande.
 Fischerei. Riff, Fische, Muscheln, Seegurke, Schnecken, Schildkröte, Krokodil, Haifisch, Korallen, (Betelkalk), Tambu und andere Muschelgeldarten.
5. Aus der Naturlehre. ...
Zeichnen
  1. und 2. Jahrgang.
Zeichnen von Dingen aus dem Anschauungsunterricht und in Verbindung mit diesem.
 (Kanu, Haus, Ruder, Hammer, Hut, Tisch u.a.m.)
  3. und 4. Jahrgang.
Zeichnen flacher Gegenstände.
Blätter, Zifferblatt der Uhr. Plan von Schulzimmer und Haus. Ornamentieren im Anschluss an Eingeborenen-Zeichnungen. ...
  5. und 6. Jahrgang.
Ornamentieren schwierigerer Muster.
Körperzeichnen. Einführung in das im Handwerk gebräuchliche Liniearzeichnen.
  Vermerk.
Der Zeichenunterricht hat neben seiner Bedeutung als wichtiges Erziehungsmittel den Zweck, die von den Schülern mitgebrachten zeichnerischen Fähigkeiten festzuhalten, weiter auszubilden und ihre Anwendung anzubahnen (Verzierungen an Kanu, Rudern, Häusern, Kirchen).

Aus dem Lehrplan der dreiklassigen Eingeborenenschule in Namanula
BA: RKolA 2756
Und ähnlich wie in Saipan wurde in Namanula (ab der 4. Jahrgangsstufe) Gesundheitslehre vermittelt. Und auch hier fand seit den Anfängen ein „freiwilliger" Religionsunterricht statt, den Herz-Jesu-Missionare zweimal wöchentlich in den Schulräumen abhalten durften. Auch hier gab es erhebliche Konflikte um diesen Unterricht. Zeitweilig wurde den Missionaren die Unterrichtserlaubnis entzogen, weil sich Protestanten und „Heiden" über katholische Mis-sions-versuche beschwerten.
Am Ende des sechsten Schuljahres (1913) konnten die ersten 23 Schüler der Regierungsschule entlassen werden. Alle fanden als Arbeiter und Angestellte beim Gouvernement Anstellung: neun als Setzer, sechs als Handwerker, fünf als Hilfsschreiber und drei als Hilfslehrer. Ohne Zweifel hat die Regierungsschule für Eingeborene zur Verbreitung europäisch-deutscher Wertvorstellungen in Neuguinea beigetragen. Ebenso sicher läßt sich aber sagen, daß dadurch die Indigenisierung der Kolonialverwaltung vorangetrieben wurde. Dieses Experiment wurde durch den Ausbruch des Weltkrieges und eine völlig andere Politik der Australier jäh und radikal abgebrochen.
Wenige Monate vor dem Aufflackern des europäischen Krieges begleiteten Gouverneur Hahl bei seiner Rückreise nach Deutschland zwei Abgänger der Regierungsschule Namanula. Sie sollten auf der Kolonialschule in Witzenhausen eine weitere kolonialspezifische Ausbildung erhalten. Mitte April 1914 ging auch der langjährige Leiter der Regierungsschule, Paul Barschdorff. Er wurde durch den bisherigen Lehrer Stephan Leist ersetzt. Zuletzt lehrten an der Eingeborenenschule drei deutsche Lehrer (neben Leist der Brandenburger Ernst König und der Niederschlesier Martin Wagner) und drei einheimische Hilfslehrer. Sie unterrichteten 121 (Höchststand) melanesische Jungen aus allen Teilen der Kolonie Deutsch-Neuguinea. Sogar aus dem niederländischen Teil des Landes kam ein Schüler eigens in die Regierungsschule nach Rabaul.
Neben der Regierungsschule für Eingeborene existierte seit dem 19. April 1909 auch eine Schule für Europäerkinder. Der Unterricht fand im gleichen Schulgebäude statt. Entgegen den ursprünglichen Plänen wurde die Schule für Europäerkinder erst nach der Eingeborenenschule eröffnet und ihr scheint überhaupt auch nur eine nachgeordnete Stellung zugekommen zu sein. Die Europäer-Schule konnte erst eröffnet werden, nachdem im März 1909 ein zweiter deutscher Lehrer in Neuguinea eingetroffen war. Als im April 1910 noch eine Lehrerin (E. Medenwaldt) im Schutzgebiet angekommen war, wurde diese der Europäerschule zugeordnet, während beide Lehrer hauptamtlich in der Eingeborenenschule unterrichteten.
Unterrichtet wurden wöchentlich 30 Stunden: Deutsch, Rechnen, Geschichte, Erdkunde, Naturkunde, Zeichnen, Turnen, Singen sowie Anschauungs- und Heimatkunde. Religion war integraler Bestandteil des Curriculums. Neun Stunden wöchentlich halfen die beiden Lehrer der Eingeborenenschule in der Europäerschule mit aus.
Die Schule war als vierstufige Volksschule gedacht, doch war der Schülerbestand nur gering; er überstieg zu keinem Zeitpunkt 15 Jungen und Mädchen. Ein Versuch des Gouverneurs, während eines Besuchs in der Marshallgruppe die dortigen deutschen Siedler im Herbst 1911 dazu zu überreden, ihre (meist Mischlings-)Kinder nach Rabaul in die Europäerschule zu schicken, schlug fehl. Er dürften weniger die 600 Mark jährlichen Kosten für das Internat in Namanula gewesen sein, die die deutschen Männer in den Marshallinseln schreckten, als vielmehr ihr mangelnder Glaube, daß die Europäerschule in Rabaul qualitativ wirklich so viel besser war als die Missionsschulen vor Ort. Der jahrzehntelange Streit um die fehlende Regierungsschule für die Marshallinseln, die vor allem von den Protestanten unter den deutschen Siedlern als Gegengewicht zur katholischen Missionsschule vehement gefordert worden war, hatte nach Auflösung eines eigenen Verwaltungsgebietes die ursprüngliche Schärfe längst verloren.
Wahrscheinlich hätte die „Europäerschule" ohnehin nicht existieren können, wenn sie nur von Europäerkindern besucht worden wäre. Ein Foto im Kolonial-Kalender von 1911 (:133) zeigt die 13 Schüler und Schülerinnen der „Europäerschule". Auf den ersten Blick fallen sechs von ihnen, also nahezu die Hälfte, als Chinesenkinder auf. Daß die Kinder der chinesischen Bevölkerungsgruppe die Europäerschule der Kolonie besuchten (und besuchen durften), mag auf den ersten Blick erstaunen. Chinesen waren - im Gegensatz zu den Japanern - den Europäern rechtlich nicht gleichgestellt. Aber offensichtlich wurden in der Realität des kolonialen Alltags die Rassenunterschiede weniger scharf praktiziert als auf dem Papier der Kolonialtheoretiker und ihrer Gläubiger.