Die deutsche Verwaltung Neuguineas 1884-1914

Hermann Joseph Hiery
 

Im November 1884 hißten das Kanonenboot Hyäne unter Korvettenkapitän Langemak und die Fregatte Elisabeth unter Kapitän Schering im Bismarckarchipel und auf dem nachmalig Kaiser-Wilhelmsland genannten Festland von Neuguinea die Reichsflagge. Dabei wurden bewußt Häfen angelaufen, die Karl Bartholomäus von Werner mit der Ariadne bereits 1878 für das Deutsche Reich glaubte „erworben" zu haben.

Flaggenhissungen in Neuguinea

Matupi 03.11.1884 Schering, Elisabeth, Langemak, Hyäne
Mioko/Neulauenburg 04.11.1884 Schering, Elisabeth, Langemak, Hyäne
Makadau/Neulauenburg 05.11.1884 Schering, Elisabeth, Langemak, Hyäne
Nusa/Neumecklenburg 11.11.1884 Schering, Elisabeth, Langemak, Hyäne
Friedrich-Wilhelmshafen 20.11.1884 Schering, Elisabeth, Langemak, Hyäne
Finschhafen 27.11.1884 Schering, Elisabeth, Langemak, Hyäne
Bambatani/Choiseul 28.10.1886  von Wietersheim, Adler
Morgusaia/Shortlandinseln 29.10.1886 von Wietersheim, Adler
Bougainville 30.10.1886 von Wietersheim, Adler
Lord Howe-Inseln (Ongtong Java) 22.10.1889 von Prittwitz und Gaffron, Alexandrine
Boucatas Masagga (Ysabel) 25.10.1889 von Prittwitz und Gaffron, Alexandrine
Ähnliche Flaggenhissungen führten auf den Inseln der Salomongruppe der Kommandant des Adler, von Wietersheim, und der Kommandant der Alexandrine, von Prittwitz und Gaffron im Oktober 1886 und 1889 durch.
Das vom Deutschen Reich in Neuguinea erworbene Gebiet wurde durch eine beidseitige deutsch-englische Erklärung vom 6. April 1886 in seinen Grenzen endgültig festgelegt. Umstritten waren bis dahin der Huon-Golf, den Großbritannien als Folge des wütenden Protestes in Australien gegen die deutsche Annexion für sich reklamierte, und der nördliche Teil der Inseln im Südosten, die Deutschland ursprünglich für sein Territorium vorgesehen hatte. Mit dem deutsch-britischen Abkommen über Samoa vom 14. November 1899 schieden die Shortlandinseln, Choiseul und Ysabel aus dem Deutschland zugehörigen Gebiet aus und wurden britisch. Faktisch hatte die deutsche Verwaltung in Neuguinea und im Bismarckarchipel nie einen wirklichen Versuch gemacht, auf Choiseul und Ysabel eine Verwaltung einzurichten oder die Inseln in den Bereich des deutschen Kolonialverwaltung auch tatsächlich miteinzubeziehen. Was man da abtrat, konnte man also kaum als „deutsch" bezeichnen. Mit den Shortlandinseln gab es wegen einiger weniger Handelsstationen etwas engere Beziehungen, aber auch hier hat es eine eigene oder eigentliche deutsche Verwaltung nicht gegeben.
Wegen Nukumanu, das formal sicherlich Teil des Abkommens vom 14.11.1899 gewesen war und deshalb abgetreten werden mußte, gab es zwischen Deutschland und Großbritannien 15 Monate lang Streit. Die wirtschaftlich unbedeutenden Koralleninseln hatte der erste Gouverneur Deutsch-Neuguineas auf Grund der Bevölkerung, die polynesisch und nicht melanesisch war, besonders ins Herz geschlossen. Bennigsen ließ anläßlich einer Abschiedsreise durch das abgetretene Gebiet, bei der er die von den Termiten übriggelassenen Reste der deutschen Hoheitszeichen einsammelte, am 28. November 1900 auf Nukumanu ein Schild „Kaiserlich Deutsches Schutzgebiet" an eine Palme nageln. Das unweit davon auf einer Stange befestigt auch der britische Union Jack flatterte, kümmerte ihn nicht weiter. England gab schließlich nach und durch eine Erklärung der zuständigen Western Pacific High Commission von 8. Januar 1902 wurde die Annexionsproklamation über die „Tasmangruppe" vom 6. Oktober 1900 widerrufen und Nukumanu wieder deutsch.