Die Verwaltung durch die Neuguinea-Kompagnie (1885-1899)

Durch zwei kaiserliche Briefe vom 17. Mai 1885 (Neuguinea und Bismarckarchipel) und 13. Dezember 1886 (deutsche Salomonen) gewährte das Reich den der Neuguinea-Kompagnie unterstellten und von ihr verwalteten Gebieten seinen besonderen Schutz. Von Anfang an gab es zwischen den in Neuguinea befindlichen Vertretern des Reiches und denen der Kompanie erhebliche Auseinandersetzungen. Zwar wurde der kaiserliche Kommissar auf die Nachricht vom Eintreffen eines Landeshauptmanns der Neuguinea-Kompagnie abberufen, doch in dem halben Jahr, in dem von Oertzen noch im Bismarckarchipel war und von Schleinitz schon im Kaiser-Wilhelmsland amtierte, gab es zwischen beiden andauernd Querelen und Ärger. Die Neuguinea-Kompagnie hatte ursprünglich beabsichtigt, den bekannten Admiral Karl Bartholomäus von Werner, der mit der Ariadne Ende der siebziger Jahre auf Samoa, den Marshallinseln und Neuguinea die ersten Erwerbungen für Deutschland gemacht hatte, zu ihrem ersten Landeshauptmann zu machen. Die Verhandlungen scheiterten aber, weil sich Werner weigerte, die Forderung der Kompanie, in Neuguinea erworbene Ethnographika grundsätzlich an die Gesellschaft abzutreten, anzuerkennen.
Zum ersten Landeshauptmann wurde mit Georg Freiherr von Schleinitz ein anderer hoher Marineoffizier bestellt. Schleinitz hatte bereits in den sechziger Jahren an der preußischen Ostasienexpedition teilgenommen. Er besaß auch Neuguinea-Erfahrung, hatte er doch 1875 als

Die Spitze der Verwaltung in Deutsch-Neuguinea
Gustav von Oertzen Kaiserlicher Kommissar Matupit  1885 - Ende 1/1887
Georg Freiherr von Schleinitz Landeshauptmann Finschhafen 10.06.1886 - 19.03.1888
Reinhold Kraetke Kommissarischer Landeshauptmann Finschhafen 01.03.1888 - 8/1889
Friedrich Rose Stellvertretender Kaiserlicher Kommissar Finschhafen 01.11.1889 - 30.09.1890
Friedrich Rose Kaiserlicher Kommissar Finschhafen/Stephansort 30.09.1890 - 31.08.1892
Georg Schmiele Landeshauptmann Friedrich-Wilhelmshafen 01.09.1892 - 03.03.1895 †
Hugo Rüdiger  Kommissarischer Landeshauptmann Friedrich-Wilhelmshafen 16.02.1895 - 17.08.1896
Curt von Hagen Kommissarischer Landeshauptmann Stephansort 22.09.1896 - 13.08.1897 †
Dr. Albert Hahl geschäftsführender Kommissarischer Landeshauptmann Stephansort 15.08.1897- 11.09.1897
Hugo Skopnik Kommissarischer Landeshauptmann Friedrich-Wilhelmshafen 11.09.1897 - 31.03.1899
Rudolf von Bennigsen Gouverneur Herbertshöhe 01.04.1899 - 10.07.19011/19.06.1902
Dr. Albert Hahl Stellvertretender Gouverneur Herbertshöhe 10.07.1901 - 10.11.1902
Dr. Albert Hahl Gouverneur Herbertshöhe/Rabaul 10.11.1902 - 13.04.19141/04.05.1915
Eduard Haber  Stellvertretender Gouverneur Rabaul 08.03.1914 - 17.10.19141/16.01.19152
Eduard Haber  Geschäftsführender Gouverneur Berlin 04.05.1915 - 14.12.1917
Eduard Haber Gouverneur Berlin 14.12.1917 - 10.01.1920
Angegeben ist jeweils der Tag der Geschäftsübernahme und der Tag der Geschäftsabgabe1 Abfahrt von Deutsch-Neuguinea 2 Abfahrt von Sydney
Kommandant der Gazelle die erste wissenschaftliche Forschungsexpedition dorthin geführt. Aus dem Ruhestand gerufen, reiste der Vizeadmiral umgehend in die neue deutsche Kolonie ab. Schleinitz und die Neuguinea-Kompagnie schienen von den realen Verhältnissen in Neuguinea allerdings wenig Ahnung gehabt zu haben. Als sei er ausgezogen, die glorreiche koloniale Vergangenheit der Briten zu kopieren und in der Kolonie eher zu residieren als zu verwalten, nahm Schleinitz nicht nur seine ganze Familie - Frau, vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter im Alter von vier bis 13 Jahren - mit nach Neuguinea, sonders auch einen Hauslehrer, Paul Ehmann, einen Diener, Nell, und eine Dienerin, Nells Frau. Am 10. Juni 1886 kam der Landeshauptmann mit seinem Gefolge in Finschhafen an. Ein Haus, überhaupt eine Wohnung für ihn, war überhaupt noch nicht vorhanden, und so residierte der Landeshauptmann monatelang in beengten Verhältnissen in einem Schiffsrumpf. Zu verwalten gab es eigentlich nichts, denn es war

Der Landeshauptmann wohnt mit seiner Familie noch auf dem Hulk Norma ...
Die Stationsgebäude befinden sich größtentheils auf der Insel Madang ..., es sind 2 Wohnhäuser, ein Lagerhaus und ein Arbeiterhaus. Auf dem Festlande stehen noch 2 schwedische Häuser zu Wohn- und Bureauzwecken und eine schwedisches Speisehaus. In diesen wenigen Räumen ist alles zusammengedrängt. Die Beamten der Gesellschaft, denen contraktmäßig eine mit Einrichtung versehene Wohnung zugesichert ist, sind auf eine jeder Beschreibung spottende kümmerliche Weise untergebracht. Eine kleine Zelle, 6 bis 8 Fuß in den ärmlichen schwedischen Häusern ist das Schlaf- und Arbeitszimmer der Meisten. ... Die Ausstattung besteht lediglich aus einem ganz schmalen Bett. Tische und Stühle haben sich die Herren aus rohem Holz hier selbst angefertigt; leere Kisten dienen als Schränke, soweit sie überhaupt in der Zelle Platz haben. ...
Überhaupt scheinen die Verwaltungsorgane in Berlin jedes Überblickes in ihren Dispositionen insoweit die Lebensverhältnisse ihrer Beamten in Frage kommen zu ermangeln. Es ist ein Oekonom in Finschhafen angestellt mit der Verpflichtung alle Materialien von der Gesellschaft zu entnehmen, im Waarenhaus ist aber nichts vorhanden. Wir lebten schon mehrere Wochen fast nur von Salzfleisch und Brot aus schimmeligem Mehl, sehnsüchtig die von Hamburg kommende „Ottilie" erwartend. Die „Ottilie" kam und brachte nicht nur nichts mit, sondern hatte sogar Weisung gehabt, sich nur für die Reise auszurüsten, weil sie in Finschhafen ein großes Depot vorfinden werde. ...
Wie bei den Häusern, so scheint man bei allen anderen Anschaffungen mehr auf Billigkeit, als auf gute Beschaffenheit gesehen zu haben. Die Kleidung für diejenigen Herren, welche vertragsmäßig auf eine Ausrüstung für ein Jahr Anspruch haben, ist in der „Goldenen 110" gekauft und der Sekretär, welcher mit der Anschaffung der Bureauutensilien für den Landeshauptmann beauftragt war, hat die Instruction gehabt, Alles dasjenige, was er im „50 Pfennig Bazar" bekommen könne, dort zu besorgen. ...
Vizekonsul Knappe über die Anfänge von Finschhafen und die Vorgehensweise der Neuguinea-Kompagnie, Brisbane, 04.09.1886
BA: RKolA 2977
kaum etwas vorhanden, was man hätte verwalten können. Zwei Wochen nach der Ankunft in Finschhafen lagen bereits die ersten beiden Kinder mit Fieber nieder. Die Ehefrau, Margot von Schleinitz, konnte das ungesunde Klima am wenigsten vertragen. Sie starb am 18. Januar 1887 an Malaria. Als auch der Diener Nell im Mai 1887 verstorben war, saß der Landeshauptmann auf gepackten Koffern. Er verließ Finschhafen mit den noch lebenden Mitgliedern seiner Familie am 19. März 1888, zunächst, wie es hieß, um sich zu erholen, aber sein Vertrag wurde von der Kompanie vorzeitig aufgelöst.
Die Landesverwaltung der Neuguinea-Kompagnie wurde nach Schleinitz nur noch durch kommissarisch bestellte Landeshauptmänner wahrgenommen, wenn man einmal davon absieht, daß die Kompanie nach der Wiederübernahme der Verwaltung aus der Hand von Reichsbeamten, in die sie sie am 1. November 1889 abgegeben hatte, am 1. September 1892 noch einmal kurzfristig einen wirklichen Landeshauptmann berief. Georg Schmiele war ein pompöser, arroganter, eingebildeter Mann und als Landeshauptmann der falsche Mann am falschen Ort. Mit fast allen, die in Neuguinea ebenfalls an höherer Stelle Verantwortung trugen, stieß er irgendwann einmal zusammen. Nahezu die ganze Kolonie hatte er gegen sich, als er in dem am 1. Februar 1893 zum Stationsvorsteher für den Bezirk Bismarckarchipel und die Salomoninseln bestellten Paul Kolbe einen Widersacher fand, der nicht einfach nur kuschte. Kolbe wurde von Schmiele disziplinarisch gemaßregelt, weil er sich angeblich während einer Strafexpedition vorschriftswidrig verhalten hatte. Im Hintergrund des Konfliktes stand aber neben dem Faktum, daß Schmiele neben sich keine fähigen Persönlichkeiten dulden konnte, die Verheiratung Kolbes mit der Halbsamoanerin Emma Forsayth, die als „Queen Emma" in der ganzen deutschen - und darüber hinaus - Südsee bekannt, das wichtigste Wirtschaftsimperium im Bismarckarchipel ihr eigen nannte und über Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung verfügte, die Schmiele nur voller Grimm und Neid zur Kenntnis nehmen konnte. Aus vorgeschobenen formalen Gründen untersagte der Landeshauptmann die Eheschließung des viel jüngeren deutschen Reserveoffiziers mit der bereits mehrfach verheirateten Frau Forsayth - von einem ihrer ehemaligen Männer lag keine amtliche Sterbeurkunde vor, was bei den ungeordneten Verhältnissen in Neuguinea an sich wenig verwunderlich war. Gegenüber dem Auswärtigen Amt beschwerte sich Emma Forsayth persönlich, Schmiele habe gedroht, „er werde Ralum [ihre Pflanzung] ‘ruinieren’ im Falle sie Herrn Kolbe heiraten sollte. Ich habe Herrn Kolbe geheiratet." Die Zeremonie wurde außerhalb der Territorialgewässer Deutsch-Neuguineas von einem methodistischen Pastor nach britischem Recht vollzogen. Daß sie dadurch auch in deutscher Sicht gültig war, brachte den Landeshauptmann vollends in Rage. Die von Kolbe geforderten Zeugen für dessen angebliche Verfehlung während der erwähnten Strafexpedition konnte er nicht nennen. Stattdessen schrieb Schmiele geharnischte Briefe nach Berlin und verlangte Kolbes Abberufung und Bestrafung. Nach vergeblichen Anläufen Kolbes, mit dem Landeshauptmann die Sache in persönlicher Aussprache zu erledigen, kam es am 17. Juni 1894 zu einem Zwischenfall, bei dem dem öffentlich gedemütigte Landeshauptmann nichts anderes übrigblieb, als die von Kolbe schon früher

Am 9. d.M. früh begab ich mich von dem wiederum vor Herbertshöh liegenden Dampfer an Land, um mit Herrn von Hanneken zunächst einen mehrstündigen Gang durch die Baumwollpflanzung zu machen. Als wir von demselben zurückkehrten und auf der vor dem Stationsgebäude entlang laufenden breiten Straße nach dem Zollaufseherhause gingen, bemerkten wir vor dem neben demselben befindlichen Wohnhause des Kaiserlichen Kanzlers Brandeis einen Reiter, welchen Herr von Hanneken nach kurzer Zeit als Herrn Kolbe erkannte. Derselbe kann demnächst auf uns zugesprengt, parirte sein Pferd und schrie mir zu:
„Ich habe vergebens auf Ihre Zeugen gewartet; ich erkläre Sie hierdurch für einen (hier machte das Pferd eine Bewegung, und ich vermochte das Adjektivum nicht zu verstehen - es mag „elenden" oder „erbärmlichen" gewesen sein - )Feigling!"
Gleichzeitig schlug er nach mir mit seinem Reitstock, worüber das Pferd erschrak und die eben gedachte Bewegung machte. Lediglich hierdurch kam es, daß der mit voller Kraft nach meinem Kopfe von oben herab geführte Schlag nur den vorderen Rand meiner Dienstmütze, welche ich nebst Achselstücken mit Rücksicht auf die bevorstehende Versammlung angelegt hatte, traf und hiebei die Kokarde abriß, welche Herr von Hanneken in auseinandergefallenen Stücken wiederfand.
Landeshauptmann Schmiele, Friedrich-Wilhelmshafen, 17.06.1894, an Reichskanzler von Caprivi über seinen Zusammenstoß mit Paul Kolbe, dem Ehemann von „Queen" Emma, am 9. Juni 1894
BA: RKolA 2411
verlangte Aufforderung, die jetzt beiderseitig gemachten persönlichen Kränkungen in einem Duell zu klären, anzunehmen. Der zuständige Richter Brandeis lehnte dagegen eine richterliche Verfolgung Kolbes ab, sah sich in der Angelegenheit „befangen" - auch er war ein spezieller „Freund" des Landeshauptmanns - wie zwei Schmiele direkt unterstellte Beamte (Gerichtsschreiber Arno Senfft und Kapitän Paul Reimers), die sich bereitwillig Kolbe als Sekundanten für das Duell zur Verfügung stellten. Zu diesem kam es jedoch nicht mehr, weil Schmiele auf dem Weg zurück nach Deutschland, wo er von seinen Vorgesetzten eine Genehmigung zur Teilnahme an der Duellforderung einholen wollte, verstarb.
Dauernde Auseinandersetzungen zwischen dem Personal, unfähige und unwillige Beamte und Angestellte waren überhaupt mitverantwortlich für das Chaos, das sich zunehmend in Neuguinea, jedenfalls was die Unternehmungen der Kompanie anging, ausbreitete. Von einer Verwaltung der Neuguinea-Kompagnie kann man deswegen nur bedingt sprechen. An Berliner Reißbrettern und Schreibtischen wurde vieles entworfen, Anordnung um Anordnung ausgearbeitet, nach Neuguinea gesandt und für die Öffentlichkeit in Deutschland sogar gedruckt - in Neuguinea selbst erwies sich das meiste als weltfremd, undurchführbar, oder hatte, wenn man versuchte, es vor Ort wirklich umzusetzen, Folgen, die man nur als katastrophal bezeichnen kann. Die wenigen noch arbeitswilligen Angestellten der Kompanie, ohnehin viel zu häufig durch Malaria und Fieberanfälle geschwächt und durch eine völlig unzureichende Ernährung zusätzlich anfällig für Krankheiten, opponierten nur noch selten und versuchten statt dessen sich so „durchzuwursteln" und die „Bekanntmachungen" und „Verordnungen" der Paragraphenreiter in Berlin als das zu nehmen, als was sie sich in Neuguinea erwiesen hatten: Fetzen Papier, die man am besten in den nächsten Schrank, sofern es einen solchen überhaupt gab, beförderte und dem Vergessen anheimgab.

§ 6. Schutz der Person und des Eigenthums.
Die Sicherheitsmassregeln werden zunächst nur zu richten sein:
gegen etwaige Angriffe der Eingeborenen und Einfälle von fremden Schiffen, die vornehmlich zum Zweck der Entführung von Eingeborenen als Arbeiter oder der Störung der deutschen Niederlassungen unternommen werden möchten;
gegen die Einschleppung ansteckender Krankheiten;
gegen Zuwiderhandlungen wider das Verbot, die Eingeborenen mit Waffen, Munition, Sprengstoffen und mit berauschenden Getränken zu versehen.
Eine militairisch organisirte Macht ist nicht vorhanden und soll nicht geschaffen werden, da auf die friedliche Inbesitznahme des Landes und die Gewinnung der Eingeborenen lediglich durch friedliche Mittel gerechnet wird. Es wird sich vielmehr nur darum handeln, eine Art bewaffneter Polizeimannschaft zu bilden, zu welcher zunächst die aus Holländisch-Indien eingeführten Arbeiter und dazu willige Eingeborene zu verwenden sein werden. ...
§ 11. Practische Zwecke der Compagnie.
Die practischen Zwecke, behufs deren Erreichung die Compagnie die Landeshoheit über das Schutzgebiet nachgesucht und verliehen erhalten hat, und um deren willen ihr gewisse privatrechtliche Befugnisse als ausschließliche durch den Kaiserlichen Schutzbrief gewährt worden, sind:
die Aufschliessung des Schutzgebietes und dessen Nutzbarmachung behufs Erzielung von Erträgen; die Erziehung der Eingeborenen zur Civilisation.
Dem ersteren Zweck sollen dienen:
die Anlegung von Stationen an der Küste und im Innern des Landes;
die Erforschung des noch unbekannten Gebietes durch wissenschaftliche Expeditionen.
Dem anderen Zwecke:
Die christliche Missionsthätigkeit, über deren Unterstützung und Behandlung seiner Zeit besondere Bestimmung getroffen werden wird. ...
§ 15. Rechte auf Grund und Boden.
... Es wird sich nunmehr darum handeln, das Land factisch in Besitz zu nehmen und den Besitz desselben rechtlich zu sichern.
Um festzustellen, welche Terrains als herrenlos anzusehen sind, ist bei dem allmäligen Vordringen in das Land zu ermitteln, inwieweit die Eingeborenen Land durch Ansiedlung oder Bebauung tatsächlich im Besitz haben und inwieweit in Bezug auf die betreffende Bodenfläche oder darüber hinaus der Begriff Privat – oder Gesammteigenthums bei ihnen vorhanden ist, bezw. in welchen Formen sie Eigenthum veräussern und übertragen. Auf diese Ermittelungen werden sowohl die Stationsbeamten wie insbesondere auch die Forschungsexpeditionen ihr Augenmerk zu richten haben. ...
Der thatsächliche Besitz der Eingeborenen ist überall zu respectiren. Von dem Grund und Boden, welcher sich in solchem Besitz nicht befindet und auf welchen die Eingeborenen einen Anspruch nicht erheben, ist Besitz zu ergreifen, zunächst da, wo der Boden irgend einen Ertrag verspricht, und ist die Ergreifung des Besitzes durch bestimmte einfache Wahrzeichen (Steine, farbige Tafeln etc.) an den Grenzen erkennbar zu machen.
§ 16. Erwerb von Grundeigenthum durch Vertrag.
So wenig wie von der Bedeutung des Privateigenthums sollen die Eingeborenen von derjenigen eines Kaufvertrages eine Vorstellung haben. Bei Verhandlungen wegen Ueberlassung von Grundstücken zu Eigenthum an die Compagnie werden daher die eingeborenen Besitzer mit Sorgfalt über die Folgen einer solchen Ueberlassung dahin zu verständigen sein, dass sie dadurch den Anspruch darauf für immer verlieren, dass sie deshalb Grundstücke nicht zum zweiten Male veräussern dürfen und dass der Erwerber darüber frei nach seinem Belieben verfügen könne.  Zu erwägen bleibt bei Ankäufen, ob es nicht gerathen sein werde, innerhalb eines Complexes grössere Flächen für die Eingeborenen zu reserviren, so dass sie im Falle ihrer Vermehrung auf diese Reservationen zurückgehen können. ...
Neu Guinea Compagnie. Instruction für den Landeshauptmann, Berlin: Otto von Holten o.J. [1885]
In Berlin weigerte man sich standhaft, die Hiobsbotschaften aus Neuguinea zur Kenntnis zu nehmen. Erst im Juli 1896, als es für behutsame Änderungen in der Politik längst zu spät war, notierte Hansemann, die Verhältnisse seien „trostlos". Eine andere Möglichkeit, als das ihr unterstellte „Schutzgebiet" möglichst umgehend an das Reich abzugeben, sah die Kompanie nicht mehr.
Neben den von der Neuguinea-Kompagnie angeworbenen Arbeitern mußten ihre eigenen Angestellten am stärksten unter den katastrophalen Bedingungen leiden, die vor Ort herrschten. Außer der überall im Kaiser-Wilhelmsland, jedenfalls den von der Kompanie aufgesuchten Re-

Ich bin vor meiner Verheirathung im Jahre 1884 weit in der Welt herumgekommen und habe viele, junge und alte, Kolonien gesehen, solche heillose Zustände indes, wie sie in Neu-Guinea in jeder Beziehung bestehen, habe ich noch nirgendwo gefunden. ... Hier ... in Neu-Guinea bin ich in Folge der miserabelsten Ernährung nie 2 Tage hintereinander ohne Fieber gewesen & hatte dabei meine Beamten ebenfalls krank.
Die Direction sorgt für die Verpflegung der Arbeiter ebenso schlecht, wie für diejenige der Europäer, & Klagen werden nicht gerne gehört. ... Ich beschuldige die Direction der Neu-Guinea Kompagnie in Berlin, daß sie mir Versprechungen in Bezug auf die Versorgung meines Familienhaushaltes gemacht hat, welche sie, wie sie wissen mußte, nie halten konnte, & daß in Folge dessen mein Kindchen gestorben ist. ...
Der Pflanzungsdirektor der Kaiser-Wilhelmsland-Plantagen-Gesellschaft, Ludwig Kindt, am 02.09.1891 aus Blitar (Java) an den Reichskanzler über die Zustände auf Neuguinea
BA: RKolA 2410
gionen, endemischen Malaria grassierten regelmäßig Epidemien aller nur denkbaren Krankheiten: Pocken, Dysenterie, Cholera, Masern. In dem Sitz der Hauptverwaltung der Kolonie, Finschhafen, der ersten „Hauptstadt" Deutsch-Neuguineas, starben von Januar bis Mitte März

Die schon genannten Arbeiterwohnungen verdienten eher den Namen von Schweineställen. Der geringste Papua würde sich eine bessere Hütte gebaut haben, wie sie hier unter Leitung von so und so viel Europäern ausgeführt wurden.
Aus dem Innern der Hütten erscholl uns Gekrächze und Gestöhn entgegen. Auf Befragen hieß es, die Influenza herrsche im Lande und fast alle Arbeiter und Europäer seien daran erkrankt.
Die Krankheit forderte sehr viele Opfer; ein solches sollte ich auch bald zu Gesicht bekommen.
Ich war damals schon 9 Jahre in Ostasien und hatte so manches erlebt, was sonst ein Europäer - bleibt er in seiner Heimath - nicht leicht zu Gesicht bekommt. Ich war gegen rohe Gebräuche der uncivilisierten Völker ziemlich abgehärtet. Dennoch war ich betroffen über die Rohheit, mit der hier der Leichentransport von Statten ging. Die Hände und Füße der Leiche waren einfach zusammengebunden und ein dicker Stock durch Arme und Beine gesteckt, welcher als Handhabe diente.
So wurden die Leichen fortgeschafft unter den Augen der Europäer von Leuten, die als Arbeiter in deutschen Diensten standen. Ich habe diese scheußliche Sitte später noch öfter auf anderen Stationen beobachten können.
Der ehemalige Stationsvorsteher der Neuguinea-Kompagnie für Herbertshöhe, W. von Hanneken, über die Verhältnisse in Friedrich-Wilhelmshafen Ende Dezember 1891
W. von Hanneken, „Eine Kolonie in der Wirklichkeit", Die Nation Nr. 9 (1895), 134
1891 13 Deutsche, über die Hälfte der europäischen Bevölkerung Finschhafens. Darunter waren der Generaldirektor der Neuguinea-Kompagnie, Eduard Wissmann, dessen Flucht auf See ihn doch nicht mehr retten konnte, dessen Frau, der Arzt und nahezu das gesamte Personal der Zentralverwaltung der Kompanie. Überstürzt verließen die noch lebenden Europäer am 13. März 1891 den Ort und eilten in, was mehr als Flucht denn als geordneter Rückzug aussah, nach Stephansort, das zur zweiten „Hauptstadt" der noch jungen Kolonie wurde. Finschhafen wurde als Station der Neuguinea-Kompagnie aufgegeben, die Gebäude abgebrochen.
Angeblich hat es sich bei der in rascher Folge unter den Europäern ausbreitenden tödlichen Krankheit um eine Malariaepidemie gehandelt. Wer einmal selbst in jenem Teil der Tropen war, in dem die Malaria bis heute endemisch ist, weiß, das es so etwas eigentlich nicht gibt. Die erschreckten Europäer im Bismarckarchipel glaubten allen Ernstes, in Finschhafen sei die Pest ausgebrochen. Die einheimische Bevölkerung ist bis heute überzeugt, der bikman von Finschhafen habe die Weißen verhext, weil sie sich an seine Frauen herangemacht hätten. Daß es unter den europäischen, d.h. deutschen Männern, in Finschhafen durchaus nicht wie in einer Klosterschule zuging, dafür haben wir mehr als einige Hinweise. Der Kaiserliche Kommissar berichtete noch kurz vor dem Ausbruch der Epidemie nach Berlin über „eine strafwürdig gleichgültige Behandlung von Geschlechtskrankheiten" und klagte, „die Beamten lassen sich, soweit sie nicht eigener Anstand beseelt, gehen wie sie wollen".

§ 6. Mäßigkeit. Behandlung der Eingeborenen
Der Beamte ist verbunden, im Genuß geistiger Getränke das durch das Klima gebotene Maaß zu halten, und sich einer freundlichen und humanen Behandlung der Eingeborenen sowie der angeworbenen farbigen Arbeiter zu befleißigen. Gewaltthätigkeiten gegen dieselben außer im Falle der Notwehr sind untersagt.
Allgemeine Bestimmungen über die Stellung der Beamten im Schutzgebiet der Neu Guinea Kompagnie, Berlin, 10.05.1891
BA: RKolA 2410
Mit der Aufgabe Finschhafens wurde die früheste der europäischen Ortsgründungen in Neuguinea (06.11.1885) zumindest zeitweilig verlassen. Da die Neuendettelsauer Mission aber blieb und die Kompanie 1901 in geringerem Umfang ihre Arbeit dort wiederaufnahm, ging der koloniale, europäische Charakter in seiner spezifisch deutschen Variante Finschhafen dennoch nie verloren. Die zweite Europäersiedlung Hatzfeldhafen (Malala), am 21.12.1885 gegründet, stand von Anfang an unter einem ungünstigen Stern. Es gab fast ständig Konflikte mit der dort lebenden einheimischen Bevölkerung. Nach der Ermordung der Rheinischen Missionare Wilhelm Scheidt und Friedrich Bösch und dem Stationsassistenten der Neuguinea-Kompagnie, Bodo von Moisy, am 26. Mai 1891 und einem weiteren Mord am 14. August, wurde auch diese Station am 18. November 1891 aufgegeben und erst sehr viel später wurde, dieses Mal von der katholischen Steyler Mission, die Arbeit an gleicher Stelle wiederaufgenommen.
Die Morde an Scheidt - immerhin der leitende Missionar der Rheinischen Missionsgesellschaft in Neuguinea -, Bösch und von Moisy waren die ersten Gewalttaten gegen Europäer im Kaiser-Wilhelmsland. Der Bismarckarchipel, vor allem Neumecklenburg, wo Stationen europäischer Koprahändler und einheimische Dörfer eng beieinander lagen und Anwerberschiffe immer wieder anlegten, um die auf den entstehenden Pflanzungen im Kaiser-Wilhelmsland äußerst begehrten neumecklenburger Arbeiter dorthin zu verpflichten, war in dieser Zeit aber eigentlich ein Ort ununterbrochener Gewalt. Fast alle ermordeten Europäer waren Händler oder Schiffsbesatzungen.

Morde an Europäern in Deutsch-Neuguinea 1885-1899
Zeitpunkt     Ort                             getöteter Europäer                         Beruf
04.05.1885  Kabatherong/NM         Svente Carlston                         Händler
24.09.1885  Lessoa/NM                         Campbell                            Händler
09.12.1885 Nanuk/NM Carr Händler
20.09.1886 Kapsu/NM Herrmann Händler
          1887 ? Nukunai/NP Weidlandt Händler
01.12.1888 Kapsu/NM Robert Hoppe Händler
27.03.1889 Tubtup/NM Joseph Haas Händler
     10/1889 Pogomianu/Nissan Kerakoose und Frau Händler
          1890 ? Kapsu/NM Frank Bradley Händler
     12/1890 ? Nuguria/Feadinseln John Coe Pflanzungsangestellter
16.04.1891 Bosso/NM Alexander Gunderson Händler
26.05.1891 Malala/KWL Friedrich Bösch Missionar (RMG)
  Bodo von Moisy Stationsassistent
   Hatzfeldhafen NGK
  Wilhelm Scheidt Missionar (RMG)
14.08.1891 Tombenam b.
 Hatzfeldhafen  Ludwig Müller Arbeiteraufseher NGK
02.09.1892 Feadinseln  Agostino Stallio Schiffskapitän
06.07.1893 Feadinseln Robert Anderson Pflanzungsangestellter
  Georg Müller Gerichtsschreiber
12.03.1894 Kabien/NM Carl Rojahn Händler
     12/1894 ? Jesu-Maria-Insel/AI Louis Coatélan Händler
17.04.1894 Gerrit Denysinseln/NM Friedrich Senf Steuermann Anwerbeschoner Senta
22.08.1895 Siwai/BV Louis Numa Händler
03.10.1895 ?        ? Otto Ehlers Forschungsreisender
  Wilhelm Piering Unteroffizier der Polizeitruppe
04.05.1897 Pokonien/Nissan Oliver Beavis Händler
13.08.1897 Klein-Gorib Curt von Hagen Kommissarischer Landeshauptmann
08.05.1898 Kap Laverdie/BV Max Kolshorn Steuermann Kutter Sea Ghost
22.08.1899 Komuli/AI Hans Maetzke Händler
     10/1899 Papitalai/AI Richard Dathe Kapitän Schoner Nukumanu
  Nielson Steuermann Schoner Nukumanu
AI = Admiralitätsinseln, BV = Bougainville, KWL = Kaiser-Wilhelmsland, NM = Neumecklenburg, NP = Neupommern
Es erwies sich von Anfang an als nahezu unmöglich, die Mörder auch tatsächlich zu ergreifen, dann abzuurteilen und zu bestrafen. Deshalb griff man immer mehr zu einem Mittel, daß zunächst nur als Ausnahme gedacht war: Die Strafexpedition, bei der das Dorf des oder der Beschuldigten insgesamt bestraft wurde, nach Möglichkeit Geiseln genommen wurden, um sie dann gegen den „wahren" Schuldigen auszutauschen, ansonsten die Hütten des Dorfes zu verbrennen und die Felder zu zerstören - eine deutsche Adaption gängiger melanesischer Praktiken.

Das Landungscorps S.M.Kr. „Albatroß" verließ das Schiff bald nach 2 Uhr früh und ging zu Lande nach Mankai um die Bewohner mit Hellwerden zu überraschen. Dies gelang nicht ganz, die Eingeborenen zogen sich rechtzeitig in den Busch zurück. Von dort aus griffen sie die in ihr Dorf dringenden Mannschaften des „Albatroß" unter lautem Kriegsgeschrei muthig mit Speerwürfen an und gaben den Kampf erst auf, nachdem eine größere Anzahl von ihnen dem Mausergewehre zum Opfer gefallen war. Sie verschwanden wieder in den Busch, Gefangene konnten nicht gemacht werden.
Auf unserer Seite fand keine Verwundung statt. Die zum Theil recht großen und schönen Hütten in Mankai wurden meistens nieder gebrannt. ...
Vor unserer Abreise erschienen die Häuptlinge des Stammes von Mankai bei uns in Kapsu, erklärten ihre Unterwerfung, brachten Geschenke und baten um Frieden, welcher ihnen in einer kurzen und sachgemäßen Anrede gewährt wurde.
Erläuterung zu einer Strafexpedition des Albatroß  im Februar und März 1886
BA: RKolA 2976
Da deutsche Kriegsschiffe Neuguinea aber nur sehr unregelmäßig anliefen und eine einheimische Polizeitruppe erst im Aufbau befindlich war, konnten viele Morde an Europäern nicht oder nur sehr spät gerichtlich verfolgt werden. Im Februar 1892 beispielsweise waren immerhin fünf Morde an europäischen Händlern, die teilweise bis 1887 zurückreichten, richterlich noch unerledigt. Morde an Nichteuropäern aufzuklären oder gerichtlich zu verfolgen, hatte man ohnehin aufgegeben. Wenn überhaupt, dann reagierte man nur auf vorherige Anzeige, eher Anklage, daß bislang nichts geschehen sei und die betreffenden Regionen sich in „Aufruhr" befänden.

§ 10 Verhältnis zu den Eingeborenen
... Für die Behandlung der Eingeborenen bleibt als Grundsatz bestehen, daß sie nicht durch Gewalt, sondern auf friedlichem Wege und mit friedlichen Mitteln der menschlichen Cultur gewonnen werden sollen. Dem General-Direktor wird es obliegen, über die Befolgung dieses Grundsatzes mit Sorgfalt zu wachen und die Beamten anzuleiten, daß sie im Verkehr mit den Eingeborenen und farbigen Arbeitern stets das nötige Maaß von Geduld, Besonnenheit und Menschenfreundlichkeit bewähren.
Instruktion der NGK, Berlin, 24.05.1889 für den General-Direktor
BA: RKolA 2409
Der bekannteste Mordfall war zweifellos die Tötung des kommissarischen Landeshauptmanns Curt von Hagen durch den ehemaligen „deutschen" Bukapolizisten Ranga am 13. August 1897. Hagen wird nach übereinstimmenden Aussagen als äußerst fähiger Kolonialadministrator geschildert, einer der ganz wenigen, den die Neuguinea-Kompagnie besaß. Als ihn der tödliche Schuß erreichte, hatte ihm die Gesellschaft aber schon gekündigt. Hagen glaubte zusammen mit dem Richter Albert Hahl herausgefunden zu haben, daß der Tod der beiden Deutschen Otto

Es wurde abgemacht, daß unter möglichster Schonung der Eingeborenen vorgegangen werden sollte; nur wenn die Ueberraschung nicht gelang oder die Eingeborenen - mit ihnen Ranga und Opia - angriffen, sollte Gewalt angewandt werden. ...
Etwa um ¾ 9 beschleunigte Herr v. Hagen den Marsch plötzlich ganz erheblich, so daß wir Mühe hatten, mitzukommen; gesprochen wurde kein Wort. ...
Es ging im Laufschritt weiter und wir faßten einen Tamul, der offenbar als Posten ausgestellt war und durch laute Rufe seine Genossen verständigte. Der aalglatte Bursche ließ sich nur mit Mühe fesseln; seinem Schreien machte ein wuchtiger Schlag meines Gewehrkolbens ein Ende. Herr von Hagen, der schon ungeduldig wurde ob des Aufenthaltes, rief mir noch zu: „Na, endlich fertig?" und dann gings in immer schnellerem Gang weiter, rings dröhnte der Urwald von den dumpfen Tönen der Trommel. Wir hatten eben einen kleinen Wasserlauf durchschritten, als ein Schuß fiel und ich aufblickend Herrn von Hagen drei oder vier Schritte rücklings stürzen sah. Ich konnte den Verwundeten noch mit den Armen auffangen, lehnte ihn an einen Baum und riß ihm die Kleider auf; die Wunde saß mitten in der Brust; mein nochmaliges Rufen „Herr von Hagen, Herr von Hagen" war vergeblich. Herr Boluminski brachte Wasser herbei, Herr Dr. Hahl übernahm die Sicherung ...
Eine weitere Verfolgung unserer Unternehmung war fürs Erste ausgeschlossen; trennen konnten wir uns nicht, da wir nur drei waren und die gänzlich aus der Fassung gebrachten Polizeijungen einer energischen Leitung bedurften.
Anonym [der Augenzeuge Hans Blum], „Curt von Hagen †", Tägliche Rundschau Nr. 267 E vom 13.11.1897
Ehlers und Wilhelm Piering während einer mißglückten Forschungsexpedition im September/Oktober 1895 auf die beiden Buka-Polizeisoldaten Ranga und Opia zurückzuführen war. Bei der Verfolgung der beiden, die aus der Haft in Stephansort ausgebrochen und in Maraga einen chinesischen Fischer erschossen hatten, kam Hagen selbst zu Tode. Nicht ganz auszuschließen ist allerdings, daß Ranga ursprünglich nicht auf den kommissarischen Landehauptmann, sondern auf den direkt vor ihm gehenden Melanesen Tutum, ebenfalls ein ehemaliges Mitglied der Expedition Ehlers und durch seine Aussagen zum erbitterten Feind Rangas geworden, angelegt hatte. Fünf Tage später wurden die beiden Bukas von Einheimischen aus der Gegend der Mündung des Gogolflusses zu Tode gespeert, ihre Köpfe abgeschnitten und in Stephansort zur Abschreckung ausgestellt.

Am Morgen des 18. hatten sich alle Tamuls aus der Umgegend der Gogol-Mündung und die von Maraga aufgemacht, um den Beiden zu Leibe zu gehen. Dicht am Gogol-Fluß stießen sie mit den Bukas gegen 8 Uhr Morgens zusammen. Mit bewunderungswürdiger Gewandtheit soll es Ranga verstanden haben, durch geschicktes Ausweichen den von allen Seiten auf ihn heransausenden Speeren und Pfeilen zu entgehen. Fast ein Dutzend derselben hatten die Tamuls angeblich schon verschossen, ohne ihn zu treffen; schon schwankten einige und wollten, an Zauberei glaubend, zurückweichen, als Ophia, zuerst am Bein und gleich darauf durch einen Speer in die Brust getroffen, zusammenstürzte.
Nun drangen sie von Neuem alle auf Ranga ein, der bald auch aus mehreren Pfeilwunden blutete. Ein Pfeil (oder Speer) traf ihn in den Leib. Mit diesem im Körper, sprang er in den nahen Fluß, um sich durch Tauchen und Schwimmen zu retten. Aber der Gegner waren zu viele, und er erschöpft. Sobald er aus dem Wasser herauskam, erlitt er eine weitere schwere Wunde am Kopf. Noch lebend wurde er an das Land gezogen, wo alles über ihn herfiel. 23 Pfeile sollen in seinem Körper gesteckt haben, und er eine Lebenszähigkeit bewiesen haben, die selbst den Tamuls imponirte.
Die Tamuls brachten die beiden Leichname nach Maraga. Von hier holte ein Beamter die Köpfe der beiden Verbrecher und brachte sie nach Stephansort. An zwei vor dem Gefängniß errichteten Pfosten wurden dieselben dann aufgehängt und den Rest des Tages über allen Arbeitern zur Schau gestellt als warnendes Beispiel und zur Nachricht, daß von Hagens Tod nun gesühnt sei.
Anonym [Hans Blum], „Die Bestrafung der Mörder des Landeshauptmanns von Hagen" Berliner Lokal-Anzeiger vom 12.12.1897
Totschlag und Mord, Blutrache, Fehden, überhaupt Gewalttaten aller Art (einschließlich des Kannibalismus - noch im September 1910 fanden Europäer auf Manus an „Ästen hängende, noch unverzehrte gebratene menschliche Gliedmaßen") ebenso wie Vergeltung, Vergeltungsmaßnahmen - im innermelanesischen wie im interkulturellen Bereich - und Strafexpeditionen kamen bis zum Ende der deutschen Kolonialverwaltung immer wieder vor. Allerdings ist auffällig, daß die Verwaltung mit der Ausübung der Todesstrafe relativ zurückhaltend war. Nachdem das Reich die Verwaltung übernommen hatte, wurden Todesurteile nur noch verhängt,

Eigenmächtige Gewalttaten der Eingeborenen gegen Weiße oder im Dienst derselben stehende Jungens sind absolut ausgeschlossen. Kommen sie vor, so ist Kriegszustand, der Stamm (das Dorf) wird mit Fehde überzogen & es leidet Unschuldiger mit Schuldigem.
Wünschenswerth ist es, daß ein solches Verfahren zu den seltensten Ausnahmefällen gehört. Die Kanaken sollen sich zwar unweigerlich jeglicher Beschädigung unseres Lebens, Eigenthums etc. enthalten, aber durchaus nicht rechtlos sein. Sind sie beleidigt durch Diebstahl, Gewalttat der Jungen, so mögen sie Klage führen und ich hoffe zu [sic] den Stationsvorstehern & Ansiedlern, daß dann Gerechtigkeit geübt wird. Sehe ich die Rechtsentwicklung der Gazelle-Halbinsel an & nehme ich die gute, geistige Veranlagung unserer Kanaken in Erwägung, so denke ich, daß es gelingen muß, dieselben unter eine vernünftige Rechtsordnung zu bringen.
Rundschreiben des Kaiserlichen Kommissars Rose vom 22.05.1891
BA: RKolA 2980
wenn Europäer ermordet worden waren. Der stellvertretende Gouverneur Heinrich Schnee hatte am 7. April 1899 die bislang praktizierte Form der Todesstrafe mittels Hängens - „widerlich" - durch Erschießen ersetzt. Waren Europäer nicht involviert, wurde Mord als Totschlag, meist als Körperverletzung mit Todesfolge, gewertet und durchschnittlich mit zwei bis drei Jahren Verbannung und Zwangsarbeit im Wegebau bestraft. Die während der Verwaltungstätigkeit der Neuguinea-Kompagnie festgelegte Gefängnishöchststrafe von fünf Jahren blieb bis 1914 unverändert.
Der Versuch, eine einheimische Polizeitruppe auszustellen, begann 1887. Im Dezember 1889 standen dem Kaiserlichen Kommissar in Finschhafen insgesamt 24 Mann, zumeist Leute aus Bougainville, zur Verfügung. In Herbertshöhe waren für den Einsatz im Bismarckarchipel im Januar 1891 gerade einmal zwölf Mann stationiert. Besonders effektiv waren beide Truppen zunächst nicht.
Warum es immer wieder zu Gewalttaten gekommen ist, ist eine komplexe Frage. Neuguinea war ein Land, indem man prinzipiell „auf alle möglichen Vorkommnisse ... stets gefaßt" sein mußte, das Verhalten der einheimischen Bevölkerung in europäischen Augen „unberechenbar" blieb, wie Rose 1891 an Caprivi schrieb. Selbstjustiz war die gängige und bislang akzeptierte Rechtsform der indigenen Kulturen. Sicherlich haben die Ankunft der Europäer, die dadurch automatisch gestellte Landfrage und die Ausweitung der Plantagenwirtschaft durch die Neuguinea-Kompagnie das Problem verschärft. Daß die „Eingeborenen für das Vergehen eines Weißen gegen sie jeden anderen Weißen, dessen sie habhaft werden können, zur Rechenschaft ziehen", also gegen die Europäer genauso die Solidarhaftung anwandten wie im eigenen, innermelanesischen Bereich, setzte Oertzen schon kurz vor Weihnachten 1886 als „bekannt" voraus. In den Anfangsjahren der Kolonie fanden sich aber viele Elemente in Neuguinea ein, die mit guten Gründen alle Brücken in der Heimat abgebrochen hatten, Kriminelle, denen „uncivilisirte und gesetzlose Zustände zum Bedürfnis geworden waren", wie der erste Kaiserliche Kommissar meinte, „Auswurf", wie der zweite Kaiserliche Kommissar drastischer formulierte. Diese Europäer machten von ihrer waffentechnischen Überlegenheit in „gewissenloser" Weise Gebrauch, „wobei das Leben der Eingeborenen als Bagatelle behandelt wird". Daß jene Europäer „schwere Schuld an den sich wiederholenden Mordthaten" auf sich geladen hatten, stand für die Verwaltung fest. Ebenso die Schlußfolgerung: „Hier sind es die Weißen, welche ebensosehr der Kontrole [sic] bedürfen, als die Eingeborenen."

Die hauptsächlichsten Gründe für die zahlreichen Angriffe auf Person und Eigenthum von Fremden sind meines Erachtens: die noch vorhandene Wildheit und Zügellosigkeit der Eingeborenen, thörichtes Benehmen der Träder, Drohen mit Kriegsschiffen bei geringfügigen Veranlassungen, daneben das lange Ausbleiben derselben und die Verzögerung der Züchtigung, welche jene glauben machte, daß sie überhaupt nicht bestraft werden würden. ...
[Geiselnahme] Eine solche solidarische Haftpflicht entspricht den Anschauungen und Sitten der Eingeborenen, sie wenden sie auch auf die Streitigkeiten an, welche sie unter einander haben. ...
Die Ahndung der Verbrechen war mit mehr Blutvergießen verbunden, als diesselben an und für sich erforderten. Es gelang nur ausnahmsweise, sich der einzelnen Verbrecher zu bemächtigen oder ..., wie ich gewünscht hatte, Geißeln zu nehmen um die Auslieferung jener zu erzielen. ...
Man muß dies bedauern, es wird aber wohl immer so gehen bis es gelingt, durch eine ständige Executive und Rechtspflege eine Änderung in den Verhältnissen und in den Begriffen der Eingeborenen herbeizuführen. Wo immer sich Gelegenheit bot, habe ich indessen versucht den Eingeborenen, besonders den Häuptlingen, begreiflich zu machen, daß es sich nur um Bestrafung der einzelnen Übelthäter handle, daß sie im Übrigen von uns beschützt werden sollten, auch gegen das Unrecht, welches ihnen Weiße etwa zufügen würden. Ich habe dieselben, besonders die Neuirländer, gleichzeitig bedeutet, daß der Kannibalismus in Zukunft aufhören müsse oder in allen Fällen auf das Strengste bestraft werden würde. ...
Gustav von Oertzen, Bericht Nr. 9, Bismarck-Archipel, an Bord S.M. Kreuzer Albatroß, 25.03.1886, an den Reichskanzler, über Gründe und Verlauf einer der ersten deutschen Strafexpeditionen im Bismarckarchipel
BA: RKolA 2976
Aber wie es der Verwaltung zunächst nur auf der Gazellehalbinsel gelang, die Gewalttaten der einheimischen Bevölkerung zumindest in den von den Europäern besiedelten Gebieten zu reduzieren, so blieb das gewalttätige, kriminelle europäische Element auf den wenig kontrollierten Außenstationen der Händler in der Zeit der Verwaltung der Neuguinea-Kompagnie praktisch unbehelligt. Die Justiz zeigte sich außerdem äußerst schwerfällig und fast unwillig, wenn

Je mehr die Neubritannier mit Weißen in Berührung kommen, desto weniger Kriege führen sie untereinander und desto mehr widmen sie sich der Bebauung des Bodens. Es wird ihnen oft Trägheit vorgeworfen, meiner Meinung nach jedoch vielfach mit Unrecht. Man sieht oft Nichtsthuer, dies kommt aber mehr daher, daß die Eingeborenen Regelmäßigkeit und bestimmte Arbeitsstunden, wie wir sie gewohnt sind, nicht kennen. ... Besonders der Matupit gegenüber liegende Theil des Festlandes bis zum Varzin in der Mitte des Festlandes ist reich an angebauten Feldern, welche den Fleiß einer zahlreichen und friedlichen Bevölkerung bekunden und zu der Hoffnung berechtigen, daß die Eingeborenen allmählig, wenn auch nur zeitweise z.B. während der Erndten, auch für weiße Ansiedler arbeiten werden.
Gustav von Oertzen, Bericht Nr. 24, Matupit, 04.08.1886, an Reichskanzler Bismarck über die Unterschiede im Verständnis von Arbeit zwischen Deutschen und Melanesen
BA: RKolA 2977
es daran ging, wenigstens die schlimmsten Exzesse von Europäern gerichtlich zu ahnden. Einer der brutalsten Händler in dieser Periode, der „Kaufmann" Friedrich Schulle aus Käwieng, dessen Gerichtsverfahren „geradezu grauenhafte Thatsachen an den Tag gebracht" hatte, wurde im April 1891 vom Gericht in Herbertshöhe wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Haft und wegen fortgesetzter Mißhandlung zu 4.000 Mark Geldstrafe verurteilt. Mord gegen Einheimische auch als solchen zu bestrafen, wenn er von einem Europäer begangen und gerichtlich einwandfrei nachgewiesen worden war, war für europäische, hier deutsche Richter, offensichtlich unmöglich. Daß jemandem wie Schulle am Ende auch noch eine drastische Reduzierung seiner - angesichts der Tatumstände - sowieso schon recht milden Strafe gewährt wurde, belegt endgültig, daß der Ausdruck „Kolonialjustiz", selbst „rassistische Kolonialjustiz", hier kein ideologisches Schlagwort ist, sondern die Alltagswirklichkeit in der Zeit der Verwaltung der Neuguinea-Kompagnie exakt beschreibt. Nachdem das Reich die Verwaltung übernommen hatte, wurden solche Charaktere wie Schulle wenigstens zur Strafverbüßung nach Deutschland geschickt und aus der Kolonie ausgewiesen. Die Kritik am Verhalten vieler einzelner Europäer in Neuguinea wurde nunmehr nicht nur öffentlich „salonfähig", sondern in den Medien Deutschlands griffen

Alle Aufstände und Europäermorde, die in jüngster Zeit vorkamen, sind ausschließlich der falschen Behandlung der Eingeborenen zuzuschreiben, und die "Schuldigen" sind lediglich die Weißen. ... Noch vor zwei Jahrzehnten unumschränkte Herren des Gebietes, sehen sich die Eingeborenen jetzt allerwärts zurückgedrängt. Ihr Kulturland hat man ihnen abgekauft, d.h. für einige Messer und Beile abgenommen. Allmählich kamen die Leute zu der Einsicht, daß dies ein sehr schlechtes Geschäft für sie war und ihren völligen Ruin bedeutet. Aber der Weiße ist stärker als sie und wir lesen jetzt, was für den Uneingeweihten recht harmlos klingt, daß die aufsässigen Eingeborenen von ihren Heimatinseln in der Umgebung Friedrich-Wilhelmshafens nach der Ray-Küste "verpflanzt" sind. Nun muß man aber wissen, ... daß an der Küste von Neu-Guinea jedes Quadratmeter Land seinen bestimmten Besitzer hat, Ein "Verpflanzen" ist nur möglich, wenn man anderen den Grund und Boden wegnimmt. Jetzt hat man also zwei Feinde: die "Verpflanzten" und diejenigen, auf deren Boden man diese ansiedelte. So wird Unfrieden über Unfrieden gesät, und als Ende vom Lied bleibt, daß eines Tages der Draht die Nachricht bringt über ein furchtbares Blutbad unter den Weißen. ...
Leute - zumeist handelt es sich um Paradiesvogeljäger – gehen ohne irgendwelche Kenntnis der eigenartigen Verhältnisse blind in die Gefahr; sie verletzen, vielleicht ohne selbst eine Ahnung davon zu haben, das Rechtsgefühl der Eingeborenen alltäglich aufs schwerste und werden, wenn den Schwarzen schließlich die Galle überläuft, niedergestochen. Häufig genug handelt es sich hierbei um Blutrache. ... Nun schickt die Regierung Strafexpeditionen aus, bei denen es wiederum zahlreiche Tote gibt und mehrere Dörfer in Flammen aufgehen. Nach den Gesetzen der Blutrache ist der nächste Weiße, der sich in jenen Gebieten blicken läßt, unfehlbar ein Kind des Todes. So geht das Töten weiter, bis der vordringenden "Zivilisation" keine weiteren Hindernisse in den Weg gelegt werden und das Land "beruhigt" ist, weil es nämlich Eingeborene nicht mehr gibt.
Der Ethnologe Richard Neuhauß, "Aufstand, Mord und kein Ende", Berliner Lokal-Anzeiger vom 01.12.1912
vor allem Intellektuelle die Vorgehensweise der Verwaltung so heftig an, daß jetzt die Sichtweise „umkippte", und sich ein romantisierendes, realitätsfernes Bild des geschundenen, vergewaltigten, entrechteten, eigentlich harmlosen und prinzipiell gutmütigen Melanesiers in der Öffentlichkeit breitmachte, das mit der spätkolonialen Alltagswirklichkeit in Deutsch-Neuguinea kaum etwas gemein hatte.
Ein wesentlicher Grund für viele blutige Auseinandersetzungen zwischen Melanesen und Europäern lag in der Auswahl der Arbeiter für die großen Pflanzungen der Kompanie. Es hatte sich zunächst als unmöglich erwiesen, einheimische Arbeiter aus Kaiser-Wilhelmsland auf längere Zeit für die dortigen Pflanzungen zu finden. Einheimische kamen immer nur für kurze Zeit, um

Männer Zahl der Arbeiter geleistete Arbeitstage Anzahl der Arbeitstage gesamt
 2 7 14
 2 6 12
 2 5 10
 3 4 12
 19 3 57
 44 2 88
 100 1 100
Männer insgesamt 172 Ø 1,7 293
 

Frauen 1 8 8
 2 6 12
 2 4 8
 6 3 18
 13 2 26
 56 1 56
Frauen insgesamt 80 Ø 1,6 128

Aufzeichnung über die Arbeitsleistung einheimischer Arbeiter auf der Pflanzung Finschhafen im Zeitraum vom 01.04.-01.08.1886
Aus der Denkschrift des Vizekonsuls Knappe, Brisbane, 04.09.1886
BA: RKolA 2977
für die Europäer zu arbeiten, und ließen sich auf den Pflanzungen nicht halten. Deshalb mußten Arbeiter von außen eingeführt werden, die die Felder der Einheimischen beschädigten und ihre Frauen belästigten. Man brachte sie aus dem Bismarckarchipel, wo die einheimische Bevölkerung bereits seit Jahrzehnten, im Rahmen des „labour trade" nach Australien, mit europäischen Vorstellungen von Arbeit bekannt waren, und aus dem heutigen Indonesien. Als die Gesellschaft zur Anlage von Tabakpflanzungen schritt, rekrutierte man die Arbeiter aus China und teilweise sogar aus Indien. 1894 beschäftigte die Neuguinea-Kompagnie auf ihren vier Stationen im Kaiser-Wilhelmsland 64 Sikhs zur Arbeit in den Tabakpflanzungen. Als ausgediente Soldaten der britisch-ostindischen Armee in vier Abteilungen zu je 18 Mann organisiert, hatten sie den besonderen Auftrag, den Schutz der Pflanzungen zu garantieren.
In wirklich großer Zahl aber wurden von der Kompanie Chinesen und Malaien aus Niederländisch-Indien ins Land gebracht. In einem ersten Transport am 12. September 1891 wurden 313 Chinesen und 58 Malaien auf die Tabakplantage nach Jomba befördert. Dort gab es bereits zehn Bengalen. Mit einem zweiten Transport kamen am 20. November 1891 450 Chinesen und Malaien zur Tabakpflanzung Gorima und am 22. Dezember 1891 in einem dritten Transport rund 300 Chinesen und Inder nach Erima. Innerhalb kürzester Zeit brach eine Influenza-, dann eine Ruhrepidemie aus, die unter den importierten wie unter den einheimischen Arbeitern aus dem Bismarckarchipel entsetzlich wütete. Genaue Angaben über die Mortalitätsrate zu machen, ist unmöglich, weil zeitweise so viele Arbeiter starben und europäische Angestellte im Fieber darniederlagen, daß die Todesfälle gar nicht alle ordentlich registriert werden konnten. Nach damaligen Schätzungen starben unter den schwarzen Arbeitern in den Stationen der Kompanie an der Astrolabebai mindestens 15 Prozent. Bei den Chinesen, die auch noch unter heftigen Malariaanfällen litten, waren es allein in den drei Monaten nach ihrer Ankunft 23 Prozent. Spätere Schätzungen gingen von einer Gesamtsterbeziffer der Arbeiter im Kaiser-Wilhelmsland in den schlimmsten Jahren 1891/92 von über 60 Prozent aus. Hahl sprach im Juni 1903 von insgesamt 1.500 Arbeitern aus der Gazellehalbinsel im Jahrzehnt 1886 bis 1896, von denen 700 gestorben seien (47 %).
Trotz der Katastrophe übernahm die Neuguinea-Kompagnie noch einmal die Landeshoheit, die sie zum 01.11.1889 an das Reich abgegeben hatte, am 1. September 1892. Die Landesverwaltung des Schutzgebietes wurde daraufhin am 17. September 1892 von Stephansort nach Friedrich-Wilhelmshafen verlegt, Friedrich-Wilhelmshafen die dritte „Hauptstadt" der Kolonie Deutsch-Neuguinea. Der neu ernannte Landeshauptmann Georg Schmiele traf dort am 5. Januar 1893 ein. Die Zentralverwaltung der Neuguinea-Kompagnie war bereits am 2. September von Stephansort nach Friedrich-Wilhelmshafen übergesiedelt.

Friedrich-Wilhelmshafen sollte bereits im Dezember 1885 als Hauptstation der Neuguinea-Kompagnie aufgebaut werden. Es befanden sich dort bereits zehn Deutsche und 34 Malaien. Nachdem innerhalb kürzester Zeit vier Deutsche und drei Malaien an Malaria gestorben waren, drei weitere Deutsche nach Finschhafen auswichen, entschieden sich die noch verbliebenen drei Deutschen den ungesunden Platz wieder aufzugeben. Sie gründeten daraufhin Anfang Mai 1886 die Station Konstantinhafen, die in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Niederlassung des Russen Mikloucho-Maclay entstand. Friedrich-Wilhelmshafen, das im Zuge der Aufgabe Finschhafens und der Verlagerung der Verwaltung nach Stephansort 1891 neu entstand, war die einzige deutsche Stadtgründung, die sozusagen aus dem Nichts geschaffen wurde. In unmittelbarer Nähe zum Hafen befanden sich ursprünglich nur Sumpf und Urwald. Da es eine einheimische Siedlung nicht gab, existierte auch kein einheimischer Name. Die die Deutschen von Finschhafen in die Astrolabebai begleitenden Melanesen brachten den Namen für die deutsche Verwaltung, die nach ihrem Sitz auf der Insel Madang im Finschhafen benannt wurde, mit nach Friedrich-Wilhelmshafen.
Wirtschaftlich gescheitert, politisch versagt, in moralischer Hinsicht disqualifiziert, ja inkriminiert, trat die Neuguinea-Kompagnie die Landeshoheit und damit die Verwaltung der Kolonie am 1. April 1899 endgültig an das Reich ab. Sie hinterließ in jeder Hinsicht einen Scherbenhaufen. Das Reich übernahm ein schweres Erbe.