Quellen und Literatur

Das Archiv der Neuguinea-Kompagnie gilt als verschollen. Ein gewisser Ersatz findet sich im Bestand Reichskolonialamt des Bundesarchivs (Berlin), das überhaupt eine Hauptquelle für die Geschichte des kolonialen Neuguinea unter deutschen Vorzeichen darstellt. Große Teile der Bestände Südsee des Reichskolonialamtes sind auf Mikrofilm sowohl in Papua-Neuguinea (Neuguinea-Spezialabteilung der Universitätsbibliothek) als auch in Australien vorhanden und einsehbar. Reste der deutschen Provinzialakten werden im australischen Nationalarchiv in Canberra aufbewahrt. Darunter finden sich einige wenige erhaltene Stationsakten und zahlreiche Gerichtsdokumente, die bis in die früheste Zeit der Kolonie zurückreichen. Auch dieser Bestand ist komplett auf Mikrofilm erhältlich und auch käuflich erwerbbar. Unterlagen der Missionen finden sich im Archiv in Neuendettelsau, in Wuppertal (Rheinische Mission), in Münster (Herz-Jesu-Mission), in Rom, Steyl und St. Augustin (svd, im letzteren nur die Tagebücher von Franz Kirschbaum), dazu in Sydney (Mitchell Library, Wesleyaner).
Persönliche Nachlässe einzelner Beamten, Pflanzer, Händler, Siedler und Forscher sind bislang nur in Resten bekanntgeworden. Von keinem der Landeshauptmänner, Kaiserlichen Kommissare und Gouverneure scheint ein geschlossener Nachlaß überlebt zu haben. Einzelne Unterlagen von Kraetke liegen im Bundesarchiv (kleine Erwerbungen Nr. 352) und von Schleinitz im Militärarchiv in Freiburg. Einige wenige Notizen und Aufzeichnungen von Rose befinden sich noch in privater Hand. Von den anderen ist nahezu nichts bekannt. Eine gewisse Ergänzung bieten die Briefe und Tagebücher von Kapitän Dallmann, obwohl auch von diesem nur noch ein Teilnachlaß erhalten ist (im Museum Schönebeck, siehe Peter-Michael Pawlik, Von Sibirien nach Neu Guinea. Kapitän Dallmann, seine Schiffe und Reisen 1830-1896. Ein Lebensbild in Selbst- und Zeitzeugnissen, Bremen 1996).
Insbesondere der Verbleib der Hahlschen Papiere ist ein völliges Rätsel, nur die fotografische Sammlung des langjährigen Gouverneurs hat in Teilen in privater Hand überlebt. Der Nachlaß von Bennigsens ist angeblich im Kriege verbrannt; von Haber weiß man so gut wie gar nichts. Dies gilt auch für eventuelle Nachlässe der Stationsbeamten und Bezirksamtmänner. Gelegentlich werden einzelne Papiere von Wilhelm Wostrack und einigen anderen auf Auktionen und von philatelistischen Händlern angeboten. Dies deutet darauf hin, daß vielleicht doch noch mehr vorhanden ist als es bislang - zumindest nach außen hin - den Anschein hat. Auch ein zumindest kleiner Teil von Schriftgut und persönlichen Aufzeichnungen aus der Gruppe ehemaliger Siedler hat mit Sicherheit in privater Hand überlebt. Nur ganz wenig ist aber auch wirklich der wissenschaftlichen Forschung zugänglich. Besser sieht es offensichtlich bei den Missionaren, zumindest bei einigen protestantischen Missionaren, aus. Der Nachlaß von Heinrich Fellmann hat ziemlich unversehrt überlebt, wenn er auch bislang nur in eingeschränktem Maße benutzt werden konnte (siehe Helmuth Steenken, Die frühe Südsee. Lebensläufe aus dem „Paradies der Wilden", Oldenburg 1997). Die Tagebücher von Missionar Diehl und seiner Frau werden gegenwärtig von Dieter Klein zur Veröffentlichung vorbereitet und im Jahr 2000 in der von mir betreuten und herausgegebenen Reihe Quellen und Forschungen zur deutschen Südsee erscheinen. Auch eine ganze Reihe Notizen und Tagebücher der zahlreichen in Neuguinea tätigen Ethnologen haben - zumeist in Völkerkundemuseen - überlebt. Sie sind bislang nur in Teilen ausgewertet worden (siehe etwa Marion Melk-Koch, Auf der Suche nach der menschlichen Gesellschaft: Richard Thurnwald, Berlin 1989, und Gábor Vargyas, Data on the History of North-East Papua New Guinea, Budapest 1986, über den schriftlichen und fotografischen Nachlaß des ungarischen Ethnologen Lajos Biró im Völkerkundemuseum Budapest).
Unter den veröffentlichten Quellen muß neben dem Kolonialblatt und den amtlichen Jahresberichten insbesondere auf die Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land und den Bismarck-Archipel der Neuguinea-Kompagnie (1885-1898) und das Amtsblatt für das Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea (1909-1914) verwiesen werden. Äußerst nützlich ist auch das in verschiedenen Jahrgängen vorhandene Adressbuch für Deutsch-Neuguinea, Samoa und Kiautschou und die extrem seltene, in der Regierungsdruckerei von Rabaul 1912 hergestellte, Gesetzessammlung für das Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea.
Die Erinnerungsliteratur ist relativ reichhaltig, wenn auch die Zeit der frühen Kolonialverwaltung des Reiches deutlich überrepräsentiert ist. Zu nennen sind neben Hahls Gouverneursjahre in Neuguinea (jetzt neu herausgegeben von Winfried Wagner, Hamburg 1997) insbesondere Heinrich Schnee, Bilder aus der Südsee. Unter den kannibalischen Stämmen des Bismarck-Archipels, Berlin 1904, Wilhelm Wendland, Im Wunderland der Papuas. Ein deutscher Kolonialarzt erlebt die Südsee, Berlin 1939, der eine Fülle von Details enthaltende Richard Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee, Stuttgart 1907, Paul Ebert, Südsee-Erinnerungen, Leipzig 1924, Norbert Jacques, Südsee, München 1922, Carl Leidecker, Im Lande des Paradiesvogels, Leipzig 1916, und Burkhard Vieweg (Hrsg.), Big Fellow Man, Weikersheim 1990; was die Verwaltung der Neuguinea-Kompagnie angeht, so stechen Bernhard Hagen, Unter den Papuas. Beobachtungen und Studien über Land und Leute, Thier- und Pflanzenwelt in Kaiser-Wilhelmsland, Wiesbaden 1899, und Stefan von Kotze, Aus Papuas Kulturmorgen", Berlin 1905, besonders hervor. Aus außerdeutscher Sicht sind vor allem C.D. Mackellar, Scented Isles and Coral Gardens, London 1912, Birger Mörner, Aráfis Tropiska År, Stockholm 1914, und B. Pullen-Burry, In a German Colony or Four Weeks in New Britain, London 1909, zu nennen.
Als Wegweiser durch die zeitgenössische Aufsatzliteratur ist Peter Sack, German New Guinea. A Bibliography, Canberra 1980, ein auf bewundernswert gründlicher und fleißiger Arbeit beruhendes Standardwerk, unentbehrlich. Birgit Scheps und Wolfgang Liedtke, Bibliographie deutschsprachiger kolonialer Literatur zu Quellen der Ethnographie und Geschichte der Bevölkerung von Kaiser-Wilhelms-Land, dem Bismarck-Archipel und den Salomon-Inseln, Dresden 1992, gehen auch knapp auf die Inhalte der von ihnen zusammengetragenen Aufsätze ein, deren Auswahl erscheint allerdings wenig schlüssig.
Unter der Sekundärliteratur sind Walther Hubatsch (Hrsg.), Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Bd.22: „Bundes- und Reichsbehörden", Marburg 1983, und Karl Baumann u.a. (Hrsg.), Biographisches Handbuch Deutsch-Neuguinea 1882-1922, o.O.o.J. [1999] nützliche Hilfsmittel zu einer Kolonialbiographie Deutsch-Neuguineas. Beide sind nicht frei von Fehlern und Unstimmigkeiten, aber enthalten doch (insbesondere Baumann) eine Fülle von wertvollen, sonst nicht verfügbaren Informationen. Die beste Landeskunde Deutsch-Neuguineas ist immer noch Wilhelm Sievers, „Die Schutzgebiete in der Südsee", in: Hans Meyer (Hrsg.), Das deutsche Kolonialreich, Bd. 2, Leipzig und Wien 1910, 301-496.
Die eigentliche wissenschaftliche Aufarbeitung der deutschen Kolonialaktivitäten in Neuguinea begann mit Stewart Firth, New Guinea under the Germans, Melbourne 1983, Port Moresby 21986, der sofort für seine Form der Darstellung heftig angegriffen wurde. Firths Version der deutschen Kolonialgeschichte Neuguineas ist nicht ganz ohne Einseitigkeiten, doch kommt ihm das bleibende Verdienst zu, eine schwierige Materie zum erstenmal aufgegriffen und eine fast vergessene Periode der Gegenwart nähergebracht zu haben. Sein Beitrag zur kolonialen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Neuguineas, insbesondere der Frühzeit, hat bis heute nichts vom damaligen hohen wissenschaftlichen Wert verloren. Zur Neuguinea-Kompagnie und ihren Beamten enthält eine Hamburger Magisterarbeit viel zusätzliches statistisches und biographisches Material: Wolfgang Apitzsch, „Das Wirtschafts- und Verwaltungspersonal der Neu-Guinea-Compagnie 1885-1899", M.A. Hamburg 1989, 2 Bde. Firths Studienkollege Peter Hempenstall hatte bereits vor Firth mit seinem in diesem Handbuch mehrfach genannten Pacific Islanders under German Rule, Canberra 1978, als einer der ersten den kulturellen und kolonialen Austauschprozessen zwischen Südseeinsulanern und Deutschen besondere Aufmerksamkeit gewidmet und damit eine wichtige Bresche in die bis dato - zumindest für die deutsche Südsee - völlig unbeachtete Geschichte kolonialer Interaktionen geschlagen. Meine eigenen Forschungen (Das Deutsche Reich in der Südsee, Göttingen 1995) setzten hier an und versuchten, die ganze Bandbreite der Alltagserfahrungen unter deutschem kolonialen Vorzeichen näher zu vergegenwärtigen. Die Missionsliteratur wird an anderer Stelle besprochen, doch sollten Paul Steffen, Missionsbeginn in Neuguinea, Nettertal 1995, und auch Philip-Walter Holzknecht, „Bômbôm-Bingsu-Ngamalac (Strangers-Missionaries-Village People). German Exploration and Contact in the Morobe Province of Papua New Guinea: 1884-1930", M.A., Department of History, University of Papua New Guinea 1979, unbedingt Erwähnung finden. Zwei Aufsätze verdienen es, besonders herausgestellt zu werden: Peter Biskup, „Dr. Albert Hahl - Sketch of a German Colonial Official", in: The Australian Journal of Politics and History 14 (1968), 342-357, und Ingrid Moses, „The Extension of Colonial Rule in Kaiser Wilhelmsland", in: John A. Moses und Paul M. Kennedy (Hrsg.), Germany in the Pacific and Far East, 1870-1914, St.Lucia 1977, 288-312. Meine Sicht der Ereignisse in Friedrich-Wilhelmshafen findet sich in der Zeitschrift Small Wars and Insurgencies 4 (1993), 165-180 („The Madang Revolt of 1904 - A Chimera").