Hermann Joseph Hiery
Samoa war, zeitlich gesehen, die letzte deutsche Kolonie. In vielem
steht Samoa allerdings eher am Anfang als am Ende der deutschen Kolonialbewegung.
Seit Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es in Apia
einen Konsul, der die deutschen Interessen, insbesondere diejenigen Hamburgs,
vertrat. 1868 wurde er durch einen diplomatischen Vertreter des Norddeutschen
Bundes, 1872 durch einen des Reiches ersetzt. Seit der Gründung einer
besonderen Munizipalverwaltung für die Stadt und den Distrikt Apia
am 2. September 1879 war der deutsche Konsul über den Munizipalrat
direkt an der Regierung des Bezirkes Apia beteiligt. Die bekannte sogenannte
Samoa-Vorlage scheiterte zwar nur ein halbes Jahr später, aber von
1886 ab wurde mit der Eröffnung der Reichs-Postdampferlinie Sydney-Apia
auch Samoa an das deutsche Postnetz angeschlossen; Apia erhielt eine deutsche
Postagentur, die seit 1895 von einem eigens nach Apia entsandten deutschen
Postbeamten geleitet wurde.
Die von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und dem Reich
äußerst emotional und zeitweilig erbittert geführte Auseinandersetzung
um Samoa fand erst ihren Abschluß, als Großbritannien infolge
des Burenkrieges derart international isoliert war, daß es in einer
Einigung über Samoa eine Möglichkeit sah, diese Isolation aufzubrechen.
Im Gegenzug zur Abtretung des bislang deutschen Teils der südlichen
Salomonen (Shortland Islands, Choiseul, Ysabel) an Großbritannien
und der deutschen Akzeptanz einer stärkeren englischen Privilegierung
auf Tonga unter Inkaufnahme des Verlustes der besonderen deutschen Stellung
dort verzichtete London zugunsten Deutschlands auf den westlichen Teil
der Samoainseln. Der östliche Teil kam allein unter amerikanische
Kontrolle und wurde der Marine der Vereinigten Staaten unterstellt.
Deutschland verwaltete seinen Teil Samoas wie alle anderen sogenannten
Schutzgebiete auch durch die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes
(seit 1907 das Reichskolonialamt). Die Reichsmarine war zwar häufig
in Apia präsent, aber sie besaß im Gegensatz zu Kiautschou keine
Möglichkeit, unmittelbar auf die Entwicklung vor Ort Einfluß
zu nehmen.