Die deutsche Verwaltung Samoas 1900-1914

Hermann Joseph Hiery
 

Samoa war, zeitlich gesehen, die letzte deutsche Kolonie. In vielem steht Samoa allerdings eher am Anfang als am Ende der deutschen Kolonialbewegung. Seit Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es in Apia einen Konsul, der die deutschen Interessen, insbesondere diejenigen Hamburgs, vertrat. 1868 wurde er durch einen diplomatischen Vertreter des Norddeutschen Bundes, 1872 durch einen des Reiches ersetzt. Seit der Gründung einer besonderen Munizipalverwaltung für die Stadt und den Distrikt Apia am 2. September 1879 war der deutsche Konsul über den Munizipalrat direkt an der Regierung des Bezirkes Apia beteiligt. Die bekannte sogenannte Samoa-Vorlage scheiterte zwar nur ein halbes Jahr später, aber von 1886 ab wurde mit der Eröffnung der Reichs-Postdampferlinie Sydney-Apia auch Samoa an das deutsche Postnetz angeschlossen; Apia erhielt eine deutsche Postagentur, die seit 1895 von einem eigens nach Apia entsandten deutschen Postbeamten geleitet wurde.
Die von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und dem Reich äußerst emotional und zeitweilig erbittert geführte Auseinandersetzung um Samoa fand erst ihren Abschluß, als Großbritannien infolge des Burenkrieges derart international isoliert war, daß es in einer Einigung über Samoa eine Möglichkeit sah, diese Isolation aufzubrechen. Im Gegenzug zur Abtretung des bislang deutschen Teils der südlichen Salomonen (Shortland Islands, Choiseul, Ysabel) an Großbritannien und der deutschen Akzeptanz einer stärkeren englischen Privilegierung auf Tonga unter Inkaufnahme des Verlustes der besonderen deutschen Stellung dort verzichtete London zugunsten Deutschlands auf den westlichen Teil der Samoainseln. Der östliche Teil kam allein unter amerikanische Kontrolle und wurde der Marine der Vereinigten Staaten unterstellt.
Deutschland verwaltete seinen Teil Samoas wie alle anderen sogenannten Schutzgebiete auch durch die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes (seit 1907 das Reichskolonialamt). Die Reichsmarine war zwar häufig in Apia präsent, aber sie besaß im Gegensatz zu Kiautschou keine Möglichkeit, unmittelbar auf die Entwicklung vor Ort Einfluß zu nehmen.